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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 103

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1916-01-01
Page
Seite 103 (sequence 17)
Language
German
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^WdKWWWWWWPyWWWW — 103 - .Ist das bei jenen der Fall, die ohne ihr Verschulden dem Studium der Thora nicht obliegen, um wieviel mehr bei jenen, die aus Nachlässigkeit, Leichtsinn oder mit voller Absicht sich von ihr abwenden. Dieses Bedauern erhält den treffendsten Ausdruck in den Worten: Gott weint über jene, denen es möglich ist, sich mit Thora zu beschäftigen und es nicht tun, sie sind zu beklagen, weil sie für den Genuß einer Stunde das Leben der Ewigkeit hingeben (Chag. 5b, Sabbat 10a). Das Leben der Ewigkeit verlieren sie mit Recht, weil sie Verachtung gegen das Wort Gottes an den Tag legen. Die größte Verachtung gegen die Thora hat sich der zuschulden kommen lassen, der seinen Geist mit Thora genährt, die Wahrheit erkannt und sich von ihr abgewendet hat, er hat sich eines nicht gutzumachenden Vergehens schuldig gemacht, wofür es Verzeihung nicht geben kann. Er hat sich mit Absicht und Trotz außerhalb der Gnade gestellt und ist wie der Vogel, der das schützende Nest verlassen hat (Chag. 9 a, Aboda zara 4 b). Schwer, ist das Geschick, das die Gesamtheit Israels trifft, wenn sie der Pflicht, dem Thorastudium zu obliegen, nicht genügt. Diese Pflichtversäumnis hat zur Folge, daß Israel in Zwist mit den Nachbaren gerät und sich Verfolgungen aussetzt. Sobald sich Israel von der Thora abwendet, hat es sich seines besten Schutzes begeben und gerät in die Gewalt des Feindes (Jerus. Rasch haschana 3). Eine Folge dieser Anschauung ist, daß der Überfall Amaleks bei Refidim der Lässigkeit Israels dem Studium der Thora gegenüber, zugeschrieben wird (Sanhedr. 106 a). Darum erscheint der Engel mit gezücktem Schwerte vor Josua, wie die Alten meinen, mit der Absicht zu strafen, weil Israel während der nächtlichen Belagerung der Stadt Ai sich dem Studium der Thora entzog (Erubim 63 b). Das Alles sagt aber wieder, daß Israel seine Existenzberechtigung nur aus der Thora, aus dem von ihr geforderten religiös-sittlichen Leben herleiten kann. Von zwei Zeiten spricht der Talmud, von einer guten, ruhmreichen und einer bösen, unglücklichen.

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