Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 16)
- Language
- German
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MW׳- Ü/V *r - ISr H, ״4t'tälTffi?'’ s?* ^־׳, A־׳^i ' — 102 — |/• Volk, das sich mit der Thora, aömüht, wird dem Dränger l;.. nicht zur Beute (Sanhedrin 94 b).?י Daß mit dem Studium des h. Schrifttums das i Bestehen Israels verknüpft ist, wußten die Feinde Israels § zu allen Zeiten. Schon Antiochus Epiphanes verbot D das Thorastudium (Makkabaerbuch 1). Mit demselben f| Rüstzeug wurde später oft genug gekämpft (Roschhaschana 19a). Die in späterer Zeit versuchte, teils durchgeführte & Verbrennung des Talmud diente dem gleichen Zweck, wenn f der Vorwand auch ein anderer war. Die Schmähungen |• dieses ungekannten und unvergleichlichen Werkes ent- 1 sprangen derselben Quelle. Man beabsichtigte, Israel die- C Lebensader zu unterbinden, schützte Humanität, Sittlichs . keit vor und wollte den Brunnen verschütten, aus dem man; menschliches Fühlen und lauterste Sittlichkeit hätte ״• schöpfen können. Bei den Anfeindungen des Talmud- L Wies man unter dem Schein des Rechtes auf Behauptungen hin, die, von Einzelnen aufgestellt, in einer Zeit s׳ grausamster Verfolgungen entstanden sind. Behauptungen > dieser Art sind der Weherus der Gemarterten, der Not- 'y schrei der in ihren heiligsten Gefühlen und in ihrer 'h: , Menschenwürde Verletzten. | Wenn die Beschäftigung mit der Thora, obgleich sie Lohn nicht fordert, ihn doch zur notwendigen Folge hat, ’ ' - so muß die Nichtbeschäftigung mit ihr Strafe nach sich- / ziehen. Sie besteht zunächst darin, daß man das Hochf: gefühl eines in erforderlicher Weise gepflegten Geistes nicht besitzt, und es nicht auf jene Stufe hoher Sittlichkeit gebracht hat, zu der das Studium des Gottesbuches emporhebt und aus der die besten Männer der Vorzeit; - gestanden haben. Diese Strafe ruft unser Bedauern׳ wach, daß es Menschen gibt, deren Verhältnisse es nicht gestatten, sich mit der Wissenschaft zu beschäftigen, undaller Vorteile verlustig gehen,/deren sich die Thora-Beflissenen erfreuen. Das Bedauernswerte ist hier der Verlust eines idealen Gutes. Durch Unkenntnis der Thora fehlt diesen Menschen der moralische Halt, sie sindwiderstandsunfähig und brechen in der Stunde der Not wehrlos zusammen (Berachot 63 a),