Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 15)
- Language
- German
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101 Schmerz der (vor-) messianischen Zeit befreit sein will, beschäftige sich mit Thora." Nach Ansicht des Talmud wird der Ankunft des Messias eine Schreckenszeit voran- -gehen. Wer der Thora obliegt, wird unbehelligt bleiben HSanhedrin 98a). Auch hier wirkt kein Wunder, sondern, wer sich im Thorastudium vertieft, wird, weil seine Gedanken anderswo weilen, von der Schreckenszeit nichts verspüren; weil das Wort Gottes ihn erfüllt, wird er die Ereignisse von hoher Warte betrachten, ihnen Wohl nicht teilnahmslos gegenüberstehen, aber aus dem Gottes- Worte Mut und Hoffnung schöpfen. . Als Übergang auf das Gebiet des materiellen Lohnes mag es angesehen werden, wenn ausgesprochen wird, daß der Jünger der Thora vor Gott beliebt ist, seine Wünsche ihm erfüllt werden (Aboda zara 19 a). Dieser Satz konnte um so bestimmter ausgesprochen werden, als vorausgesetzt werden konnte, daß die Wünsche des Thorabeflissenen bescheidene sein werden. Seine Genügsamkeit lassen ihn im kleinsten Gelingen die Güte Gottes und die Erfüllung seiner Wünsche sehen. Der größte Lohn der Thora besteht in der Langlebigkeit. Wie sollten Menschen, die fern von dem wüsten Treiben des Alltaglebens stehen, das Jagen und Hasten nach Geld und Vermögen nicht kennen, im Studium ihre Freude und Seelenruhe finden, langes Leben nicht .zuteil werden? Rabbi Seira, nach der Ursache seines hohen Alters befragt, konnte, wie mancher seiner Genossen antworten: Ich ging nicht vier Ellen weit, ohne mich mit Thora zu beschäftigen. Wer Thora mehrt, mehrt das Leben. Nicht nur: das des Geistes, sondern auch das der materiellen Wirklichkeit (Abot 2, 7, Me- -gilla 28 a). Die lebenserhaltende Kraft des Geistes zeigt sich noch mehr bei Völkern, als bei Einzelnen. In des Wortes buchstäblichster Bedeutung ist es wahr, daß Israel der Beschäftigung mit der Thora seine Widerstandskraft, seine vieltausendjährige Dauer, seine Langlebigkeit dankt. ״Sie ist dein Leben und die Dauer deiner Tage." Das