Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 14)
- Language
- German
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100 erfüllen mußte, als ihm die Freuden der Erde zumeist versagt waren. ״Ihm wird das volle Maß göttlicher Gnade im Jenseits zu Teil" (Berach 6b, Rosch haschance 18a, Sota 21a, Chag. 12 b). Der von selbst eintretende Lohn der Thora beschränkt sich aber nicht auf ideale Güter, er nimmt auch, greifbare Gestalt an. Zunächst diene dir das Studium zur Verteidigung des idealen Gutes selbst und zur Selbst- Verteidigung: du sollst wissen, wie du den Unwissenden, Spöttern, Zweiflern, Leugnern (Epicuräern) würdig begegnen kannst. Der eigentlich materielle Lohn wird im allgemeinen Lei den Priestern ausgesprochen: ״Wer an der Gotteslehre sesthält, soll sein Teil empfangen." Materieller Lohn ist es, wenn das Studium der Thora als Universalmittel empfohlen wird. ״Wer an Kopf, Lunge und Leib leidet, ein Unbehagen am ganzen Körper fühlt, beschäftige sich mit Thora," oder, wie der Satz allgemein lautet: ״wer der Thora obliegt, ist vom Schmerz verschont" (Abot 2, 9, Chullin 130b, Erubin 14, Berachot 5 a). Es ist damit der Einfluß geistiger- Tätigkeit auf den Körper gemeint. Wenn dieser Einfluß unbestritten ist, zeigt er sich in der Beschäftigung mit der Thora um so mehr, als hier auch das religiöse Moment mitwirkt. Das Thorastudium bewirkt bei dem Gläubigen, nicht nur ein Vergessen des Schmerzes, ihn erfüllt es auch mit Hoffnung. Sein Gemüt beruhigt sich, eine heitere, vertrauensvolle Stimmung tritt ein, Momente, deren wohltuende Wirkung auf den Körper anerkannt sind. Die Beschäftigung mit der Thora wird als Schutz bei einsamer Wanderung empfohlen. Den verschiedenen Gedanken, die da auftauchen, der Furcht, die sich des Wanderers bemächtigt, wird am besten begegnet, wenn der Wanderer über ein wissenschaftliches Problem nachdenkt, einen ihm unverständlichen Satz der Thora zn deuten sucht. Man sieht, daß es nicht nötig ist, den Seiten den Glauben an Wunderkuren oder wunderhasten Erlebnissen zuzuschreiben. Sie kannten das Seelenleben der Menschen, waren Psychologen, ohne Psychologie studiert zu haben. Daher der Ausspruch: ״Wer vom