Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 13)
- Language
- German
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99 Besteht die Ehre der Thora hauptsächlich in ihrer Erforschung, darin, daß man sie nur um ihrer selbst Wüllen studiert, so bleibt darum das Studium doch nicht -unbelohnt- Es bringt nicht nur Blüten hervor, es zeitigt auch Früchte, zeitlicher und ewiger Art, materieller und idealer Natur. Die letzteren überwiegen, werden in die vorderste Reihe gestellt, sie entstehen notwendig aus dem Studium, wie die Folge aus der Ursache. Der letzte, bereits angegebene Zweck der Thora, ist die geistig-sittliche Hebung des Menschen, seine Verbindung mit dem Göttlichen. Zunächst wird diese Forderung an Israel gestellt, durch Israel an die ganze Menschheit. Dabei wird der Gedanke des 1101)16888 oblige betont. Je höher die Menschen stehen, desto größer sind die an sie gestellten Forderungen, die in der Thora in der Form von Geletzen und Geboten auftreten. Der Vorzug Israels liegt darin, daß von ihm die Erfüllung vieler Gesetze und ׳Gebote gefordert wird (Makkot 23 b). Der Trieb zum Bösen ist der natürliche Feind der Sittlichkeit, darum muß er zunächst bekämpft werden, und in dem über ihn erfochtenen Sieg sieht die Thora das Mittel zu ihrem Zweck. Und hast du ihn einmal besiegt, so wahrt dich die Thora vor jedem Rückfalle, denn ״wer sie hütet, dessen Seele ist behütet." Demselben Gedankengang entspringt es, wenn ausgesprochen wird, daß ״wie das Licht ein Schutz der Welt ist, so die Thora" (Menachot 96 b, >Sota 213., Sanhed. 99 b). Die Thora reicht auch denen den schönsten Lohn, die sich ihrer Erforschung hingeben. Was kann es für sie schöneres geben, als zur Höhe lauterer Sittlichkeit emporgetragen zu werden? Denn durch das Studium der Thora tritt zunächst das Frohgefühl der Schuldlosigckeit ein, ״was durch Opfer nicht gesühnt wird, wird .durch die Thora gesühnt"; die von ihr ausgehenden Strahlen verlieren durch eine Sünde an Helligkeit nicht, ״die Sünde verlöscht die Thora nicht." Nicht minder ideal ist der Lohn, der den Thorabeflissenen in der Welt -der Zukunft erwartet, eine Hoffnung, die ihn umso mehr 7*