Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 10)
- Language
- German
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96 zu suchen ist, daß er die Gelehrten seiner Zeit unter-- stützte. Dasselbe gilt Wohl auch von den reichen Kaufleuten in Babylon, die sich selten mit Thora beschäftigt haben mögen, von denen es dennoch heißt, daß sie ihren Reichtum der Ehrung der Thora verdankten. Sie haben die Gelehrten in Babylon, später in Palästina unterstützt (Sabbat 119 a). _ Bei der Schwierigkeit, Thora zu erwerben, versäumen es die Talmudlehrer nicht, die Wege zu zeigen, auf welchen sie leichter angeeignet werden kann. Diese Fingerzeige haben allgemein pädagogisches Interesse, die die Aufmerksamkeit der Forscher bereits erregt haben, und eine eingehendere Behandlung verdienen. Hat doch die Pädagogik ihre Aufgabe am besten erfüllt, wenn sie den Menschen erzogen hat einerseits zu einem Wesen, das sich der Wichten gegen sich und die Gesamtheit bewußt ist, andererseits, wenn sie ihn gelehrt hat, zu Gott aufzuschauen. Das ist der Zweck der Thora, und um dieses Zweckes willen werden für sie so viele Opfer gefordert. Die Theorie, so schön sie ist, hätte keinen Wert, wenn ihr nicht notwendig die Praxis folgte. ״Nicht im Forschen liegt der Endzweck, sondern in der ihm folgenden Tat." *) Die Thora allein erfüllt eben die Doppelaufgabe, Menschen zu sittlichen und Gott suchenden Wesen zu machen. Da es unsere Aufgabe nicht ist, eine Pädagogik des Talmud zu schreiben, beschränken wir uns auf einige Sätze, die als Ratschläge denen dienen sollen, die sich die Lehren der Thora anzueignen wünschen. Wenn diese Weisungen heute schon Gemeingut geworden sind, von den Pädagogen als selbstverständlich angesehen werden, so haben sie doch auf dem Gebiete des Unterrichts- und Erziehungswesens ihre geschichtliche Bedeutung. Diese Lehren gelten aus verschiedenen Gründen in der Hauptsache doch nur für reifere Schüler und für den Gelehrten, y Theorie hat notwendig die Praxis zur Folge (Megilla 27 a). — In Aboda-zara 20b und Jerus. Schekalim 3, 6 werden die not-- wendigen Folgen des Thorastudiums aufgezählt.