Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 5)
- Language
- German
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91 So hoch die Elternehre stehen mag, so wichtig das Ubew der Wohltätigkeit ist, sie treten vor dem Thorastudium, zurück. Selbst das Aufblicken zu Gott, das Gebet macht hiervon keine Ausnahme. Denn, so lautet die Begründüng, das Gebet dient nur dem Bedürfnisse des Augen-׳ blicks, die Thora begründet das Leben der Ewigkeit (Jerus. Pea 1, Berachot 9, Sabbat 108). Es ist daher verständlich, wenn ein Lehrer den Satz ausspricht: Gott hat zu König David gesagt: Wenn du dich einen Tag. mit der Thora beschäftigst, so schätze ich es höher, als die tausend Opfer, die dein Sohn Salomo mir darbringen wird (Sabbat 30 a, Megilla 16b). Wenn der Einfluß der Thora ein so weitreichender ist, was ist natürlicher als die Folgerung, daß sie mit allen uns zu Gebote stehenden Kräften geehrt werden muß? Diese Ehre kann man nicht besser bekunden, als daß man sich eindringlich mit ihr beschäftigt, ihre Erforschung sich zur Lebensaufgabe macht. Uber das Thoralernen und -lehren sei folgendesbemerkt: Die Erforschung der Thora, das ist Grundbedingung,., muß interesselos sein, die Wissenschaft muß der Wissenschaft wegen gepflegt werden. ״In ihrem Namen", so lautet der Ausdruck, sollst du dich mit der Thora beschäftigen. Ferner: Es soll die wahrste, hingebungsvollste Liebe sein, die dich zu ihr hinführt. Wie es Liebe ist, die auf Gegenliebe nicht rechnet, einem Toten die letzte Ehre zu erweisen, welche Liebe die Alten ״Chessed" nennen, so soll das Studium der Thora Chessed sein?) Wer sich׳ ihr in dieser Weise hingibt, beweist, daß sein Sehnen und Wünschen in ihrer Erforschung Befriedigung findet, daß er erhaben ist über das von den Menschen mit Gier Erstrebte, und worüber sie in Zank und Streit ge- >) ״Die Lehre der Liebe ist auf ihrer Lippe" (Spr. 31). Gibt׳ es denn, fragen die Talmudlehrer, eine Lehre der Unliebe? Daraufdie eine Antwort: Wer die Thora um ihrer selbst willen studiert,, dem ist sie die Lehre der Liebe (Sukka 49b). Er fördert den Frieden auf Erden wie im Himmel, weil seine Stütze die Thora ist..