Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 4)
- Language
- German
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90 (Sanhr. 7a) und wirkt läuternd, wie das Feuer?) SW׳ erhält die Gesundheit und das Leben und wird Lebenselixir genannt (Kidduschin 30 b). Weil ein inniges Erfassen ihres tiefen Gehaltes den Geist himmelwärts trägt,, über den Erdenjammer hinweghebt, ist sie Stab und- Stütze denen, die an ihr festhalten (Erubin 15 b). Sie ist der Weinstock, an dem sich Israel emporrankt, um die׳ Herzens- und Geistesfrüchte zu zeitigen, die Gott und Menschen erfreuen. Wie der Feigenbaum zu jeder׳ Jahreszeit erquickenden Genuß bietet, so gewährt sie dem Forscher unerschöpflichen Genuß (Chullin 92 a, Erubin 54b). Sie ist das Salz des Lebens, weil sie den Menschen in der trivialen Alltäglichkeit nicht untergehen läßt, und weil sie die treueste Lebensgefährtin ist, ist sie wie das Bieder- Weib, von dem der Dichter sagt (Mischle8): ״wer es ge-- funden, hat ein Gut gesunden" (Soserim 15, Jebam. 63b). Weil sie die Leidenschaft zügelt. Irdisches und- Himmlisches in den Kreis ihrer Betrachtung zieht, das- Menschliche dem Göttlichen verbindet, steht sie höher alsirgend ein von den Menschen erstebtes ideales Gut oder als eine für heilig gehaltene Institution, kurz, in ihr liegt das geistig-sittliche Leben des Menschen. Ist sie diesittliche Grundlage der Welt, so hat diese ihre Existenz- Berechtigung ihr zu danken. Folgerichtig lautet dann der Satz, daß sie eine der Säulen ist, auf denen die Welt ruht (Abot 1, 2, Pessachim 68 b). Ebenso folgerichtig ist der andere Satz: ״Wäre die Thora nicht, Himmel und Erde könnten nicht bestehen." Gott, der nur eine׳ sittliche Welt wollen kann, sorgte, bevor er sie ins Dasein ries, für ihre Erhaltung. Die Thora, ihre sittliche- Grundlage, mußte vor ihr geschaffen werden. Deutlich spricht das der Satz aus: ״Bevor die Welt erstand, ward die Thora geschaffen" (Pessachim 64 a). Infolge ihrer- Bedeutung konnte es ausgesprochen werden, daß auch diewichtigsten Gebote vor dem Thorastudium zurücktreten. 1) Sie ist weißes Feuer, das sich aus schwarzer Glut erhebt (Schelalim 10 b).