Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 3)
- Language
- German
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Thora hat unter anderen drei Forderungen aufgestellt, die ihr zur höchsten Ehre gereichen: auf religiösem Gebiete, den Glauben an einen einzigen Gott; auf dem Gebiete der Sittlichkeit das höchste, was diese in sich be- *greift, den Begriff der Heiligkeit; auf dem des Staates, das gleiche Recht für Alle, den Fremden nicht ausgeschlossen. Das Gebot der Nächstenliebe war die natürliche Folge dieser Forderungen. Was das Fünfbuch in großen Zügen hingestellt, haben die Propheten begeistert verkündet, die Psalinisten dichterisch verklärt. Wenn im weiteren Ausbau, den Mischna und Gemara vollzogen, Sitte, Brauch, Zeremonie, alles was zum Kultus notwendig schien, einen breiten Raum einnehmen, so haben auch sie ihren Urquell in der Thora und dienen am Ende doch dem einen großen Zweck: das ihre zur Seelenreinheit, Heiligkeit der Einzelnen wie der Gesamtheit beizutragen. Ist die Thora der Gesamtausdruck für Wissenschaft, wird ihr niemand das Recht verweigern, Anspruch darauf zu erheben, daß sie klärend und läuternd auf die Geister gewirkt hat, zumal auf die Geister der in ihr Forschenden, auch dann, wenn sie die Forschung in die entlegendsten, für das Leben unbrauchbarsten Gebiete geführt hat. Da ihr Studium zur religiösen Pflicht gemacht wurde, war die Zahl der in ihr Forschenden keine geringe. Sie besitzt die Kraft, den im Menschen waltenden Lösen Trieb zu bezwingen. So lange du dich mit der Thora beschäftigst, bist du imstande, deinem schlimmsten Feinde, dem bösen Trieb, zu widerstehen (Kidduschin 36 L, Abod. zara 5 b). Sie ist die eindringlichste Warnerin und behütet dich vor Sünde: hast du dennoch einmal gesündigt, fo wirkt die Beschäftigung mit ihr versöhnend, du bedarfst des Opfers nicht, nicht des Ganz- und nicht des Sünd- Opfers. (Aboda z. 20b Menachot 100a.) Der Talmud, der das Wirken der Thora erkannt Hat, singt Lei jeder sich darbietenden Gelegenheit ihr Lob und wird nicht müde ihr Studium einzuschärfen. Sie ist das Licht der Welt, weil sie den Verstand erleuchtet; fMischle 6, 23; Megilla 16 b) sie, die unter Feuer und Blitz gegeben worden ist, wird dem Wasser verglichen