Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 2)
- Language
- German
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…/3111067-3111104-3116907--5266-3117029- Visual Library
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88 alle Wissenschaft enthalten sei. Tatsächlich hat der Talmud alle in der Zeit seines Entstehens — einige hundert Jahre —- auftauchenden Gedanken und Anschauungen, alles, was zur Zeit als Wissenschaft angesehen wurde, in den Kreis seiner Betrachtungen gezogen. Daß ein Buch, das so vieles bietet, in hoher Achtung stand, daß man sich verpflichtet sah, ihm Ehre zu erweisen, wird man natürlich finden. Man wird die Thora ehren, wenn man in ihr nicht nur das Gottesbuch sieht, sondern auch weiß, welchen Einfluß sie auf die Menschen übt. Ist ihr Einfluß ein segensreicher, dann wird ihr Studium zur Pflicht. Obgleich im Hinblick auf Lohn die Thora weder gelernt, noch gelehrt werden soll, erfolgt, dieser notwendig von selbst, wie bei Verletzung dieser Pflicht die bösen Folgen nicht ausbleiben. Es muß daher, soll der Anspruch die 'Thora zu ehren, begründet erscheinen, gesprochen werden von dem Einflüsse der Thora, von deren Studium, von dem Lohne, den das Studium notwendigem Gefolge hat, wie von der Strafe, wenn es vernachlässigt wird. Welchen Einfluß die Thora geübt hat und noch übt, kann z. T. als bekannt vorausgesetzt werden. Des Näheren darauf einzugehen, würde den Rahrnen dieser Arbeit weit überschreiten. Es müßte damit nicht nur die Geschichte Israels, es müßte auch die Kulturgeschichte der Menschheit aufgerollt werden, denn die Thora ist nicht nur die Erzieherin Israels, sie ist die Erzieherin der Menschheit. Alle Kultur, Moral und Sitte gingen von ihr aus. Wenn sie auf dem Gebiete der Kultur eine Helferin in der griechischen Literatur hat, Moral hat sie allein die Menschen gelehrt. Schon der Umstand, daß' sie unausgesetzt gegen die Vielgötterei protestiert, macht sie zu, einem ethischen Buche ersten Ranges und erhebt sie über die sonst glänzenden Leistungen der Griechen, die infolge der Vielgötterei nicht sittlich wirken konnten. Götzendienst hat notwendig Laster im Gefolge. Die