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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 84

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Israels Religion im Lichte der altorientalischen Geisteskultur
Date
1916-01-01
Page
Seite 84 (sequence 25)
Language
German
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84 - Art. In Israel ist es demgegenüber niemals zur Apotheose eines Königs gekommen. Die israelitische Gottesanschauung machte das unmöglich. Jahwe selbst ist vielmehr König, und der strenge Jahwismus lehnt sogarden irdischen König ab. Nun konnte es ja nicht ausbleiben, daß mit der Institution des Königs und des Hofes auch, zumal bei der Neigung des Orientalen zur Hyperbel, ein Hofstil in Israel aufkam, und durch ihm ist z. B. die Bezeichnung des israelitischen Herrschers alU- „Gott", wie wir sie in Psalm 45 ausgesprochen und als „Sohn Gottes", wie wir sie in Psalm 2 und in 2. Sam. 7 angedeutet finden, eingeführt worden. An allen drei. Stellen ist der Ausdruck aber rein bildlich gemeint.*) Dem Hofstil bezw. -zeremoniell entsprach es, daß. man dem König ewiges Leben wünschte, und beim König, schwor. Und da seine Person nun einmal als eine geheiligte galt, erschien es auch als ein besonderes, todeswürdiges Verbrechen, ihn zu verfluchen oder Hand am ihn zu legen. Denn er war von Gott eingesetzt, der israelische König nicht anders als etwa der von Ninive^ Noch in einem Punkte hat Israel einen Charakterzug des heidnischen Königtums übernommen: der Großkönig war Weltherrscher. Auch Israels König der Zukunft sollte einst die Weltherrschaft gehören. Der Gedanke an sich ist seitens Israels entlehnt; aber welche- Gestalt hat er hier angenommen! — Er ist durch unddurch religiös idealisiert. Der Messiaskönig ist der Repräsentant eines Friedensreiches, dem alle Völker angehören, in welchem Jahwes Gesetze herrschen, in welchem jedem Einzelnen sein Recht wird. Bezeichnend ist es,, daß wo einmal a.-t.liche Dichter in höchsten Tönen vom König reden, der Leser nicht weiß, ob der wirkliche König 1) Vgl. Ps. 45, 7. 2, 7. 2. Sam. 7, 13 ff. 2) Vgl. zu diesen und den voraufgehenden Ausführungen noch N. Peters, die Religion des A. T.'s in ihrer Einzigartigkeit unter den Religionen des alten Orients, Kempten und München 1913. Vor allem aber hierzu und zu den Ausführungen am Anfang E. König, Geschichte der a.-t.lichen Religion, Gütersloh 1912 S. 275 ff.

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