Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Israels Religion im Lichte der altorientalischen Geisteskultur
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 22)
- Language
- German
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außerbiblischen Hymnen im wesentlichen in dem beängstigenden Gefühl, einer finsteren, launischen Macht gegenüberzustehen, und die Buße ist nicht wehr als ein flehentliches Klagen und Bitten, das Herz der zürnenden Gottheit zu beruhigen und sie zu veranlassen, der Sündenstrafe, die fast regelmäßig als Krankheit bezeichnet wird, ein Ende zu machen. Es ist nun gar nicht zu leugnen, daß auch das A. T. ein solches Hinfließen in schmerzliche Klagen kennt; daß gerade der offizielle Jahwekult im materiellen Opfer ein Mittel sieht, den Zorn Gottes zu beschwichtigen, nicht anders als irgend eine der altorientalischen Religionen. Und doch erhebt sich das A. T. riesenhoch über die Sündenstimmung jener, indem es über dieser Befreiung von den Folgen der Sünde nicht das Wesentliche vergißt, nämlich die innere Umkehr. Einen Psalm wie den 51. sucht man in der religiösen Lyrik Vorderasiens und Aegyptens bis heute vergeblich: das göttliche Erbarmen allein ist es, das die Sünde tilgt — kein Opfer von Stieren und Widdern. Das Opfer, das Jahwe vom Sünder heischt, ist vielmehr ein demütig-freudiger Gehorsam gegenüber seinen Geboten: „schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir aufs neue einen festen Geist." Allgemein menschliche Gedanken treten auch in den vorderasiatischen Religionen auf angesichts der tausend Rätsel des Menschenlebens, bei dem Suchen nach dem Woher und Wohin dieses Daseins. Zwar fehlt es da nicht an dem Ausdruck des Vertrauens zur Gottheit seitens solcher, die treu nach ihren Geboten wandeln. So betet Asurbanipal zu Nebo: „Dein Knecht bin ich, verlaß mich nicht bei der Menge meiner Feinde." Und Nebo antwortet: „Ich schütze dich bis ans Ende der Tage. Deine' Füße sollen nicht erlahmen, deine Hände nicht erschlaffen. Deine Lippen sollen nicht ermatten, mich anzuflehen." Aehnlich lautet das Gebet des großen Pharao Ramses II.: