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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 80

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Israels Religion im Lichte der altorientalischen Geisteskultur
Date
1916-01-01
Page
Seite 80 (sequence 21)
Language
German
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Jedes einzelne dieser Zitate könnte, von gewissen Aenderungen abgesehen, im Buche der Psalmen stehen. Man hat auch schon des öfteren auf diese Parallelerscheinungen zur a.-t.lichen Ethik verwiesen, nicht ohne auf den Feindeshäß den Finger zu legen, wie er so oft und intensiv z. B. in den Psalmen zum Ausdruck komme. Ich möchte demgegenüber betonen, daß man zur gerechten Beurteilung dieses Hasses bedenken muß, daß er keinen persönlichen, sondern einen prinzipiellen Gegensatz darstellt. Je flammender die Begeisterung für Jahwe, desto intensiver der Abscheu gegen jeden, der seinen Geboten widerstrebt. So fleht z. B. Jeremias, eine der edelsten und zartesten Persönlichkeiten des A. T.'s wiederholt um die Bestrafung seiner Feinde, weil sie Jahwes Feinde sind. Und der feinsinnige Verfasser' von Psalm 1391 fragt1): „Süll ich nicht Haffen, die dich hassen. Jahwe? — Und vor deinen Widersachern Abscheu haben?" Zudem ist zu bedenken, daß die, welche solchem Hasse Ausdruck geben, verfolgte und gepeinigte'Menschen sind. Aber noch.enger ist scheinbar die geistige Verwandtschaft, wenn wir an die Rolle denken, welche die Sünde in der religiösen Lyrik Babyloniens und des Aegyptens gegen Ausgang des neuen Reiches spielt. Häufig begegnen wir in babylonischen Hymnen der Bitte um Vergebung der Sünden. So heißt es einmal: „Inmitten der Nacht möge ich Erlösung für meine Sünden erfahren, mögest du mein Vergehen verzeihen!" oder: „da du barmherzig bist, wende ich mich zu dir, befreie mich von Sünde, löse das Vergehen auf." oder: „viel sind meiner Sünden." — Und ein ägyptischer Frommer des neuen Reiches erklärt, daß er „ein törichter Mensch" sei und bittet: „Strafe mich nicht wegen meiner vielen Sünden.". Das Sündenbewußtsein ist groß, selbst von unbekannten Sünden ist die Rede; aber es besteht in den -) Vgl. Jer. 11, 20. 12, 3. Ps. 139, 21.

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