Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Israels Religion im Lichte der altorientalischen Geisteskultur
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 20)
- Language
- German
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79 Propheten, die Psalmendichter, die Verfasser des Hiobbuches und des Prediger Salomo. Sie werden uns teils durch andere vorgeführt, teils treten sie uns direkt entgegen. Jedenfalls läuft ihre Reihe durch alle Jahrhunderte der israelitischen Geistesgeschichte, von den -ältesten angefangen- Und das nicht allein! — Nicht wenige jener Namen sind Träger einer Religiosität, die sich von der priesterlichen Autorität zu emanzipieren gewußt hat. So groß nun aber auch die Kluft ist, die sich in diesem Punkte zwischen der babylonischen und israelitischen Religiosität entwickelt hat, es hat ein sittlicher Ernst in den Religionen der übrigen Völker Vorderasiens und auch Aegyptens durchaus nicht gefehlt; er war vorhanden, wenn auch neben anderen Elementen ° — und er hat religiöse Stimmungen und sittliche Gesichtspunkte zu erzeugen gewußt, die denen Israels bisweilen ungemein nahekommen. Der Gott Schamasch ist Richter Himmels und der Erde, der unbestechliche Richter, das Licht der Völker. Ein anderes Mal heißt es von Marduk: „er durchschaut den Mund, er sieht das Herz." Als der barmherzige Vater wird er bezeichnet, der die Gebeugten aufrichtet und die Schwachen schützt. Nach gerechten Gesichtspunkten walten beide über den Menschen. Von Schamasch heißt es: „Wer böse Anschläge ausführt, dessen Horn zerstörst du. Wer dem Schamasch wohlgefällig, dessen Leben wird verlängert." Und von Marduk wird gesagt: „Wer sich treu hält zu Marduk, dessen Fundament hat Bestand. Wer sich treu hält zum Sohne Bels, wird dauern in Ewigkeit." Nicht "anders in Aegypten. Amon ist der Beschützer der Schwachen. So betet einer zu ihm: „Amon, leihe dein Ohr einem, der allein steht im Gericht, der arm ist und sein Gegner ist mächtig "