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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 77

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Israels Religion im Lichte der altorientalischen Geisteskultur
Date
1916-01-01
Page
Seite 77 (sequence 18)
Language
German
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77 Götter selbst es mit der Angst. Nach der Flut laben sie sich am Opser des Geretteten und dabei kommt es zu einem sehr häßlichen Gezänk unter ihnen. Der eine ärgert sich, daß noch ein Mensch gerettet ist, der andere erklärt die ganze Flut für eine Torheit. Welch ein Abstand zwischen dem keilschriftlichen Original und seiner biblischen Variation! — Einzigartig ist aber und für den religiösen Genius Israels bezeichnend, wie die Geschichte vom Turm zu' Babel ausgenommen und verwertet ist. J) Der babylonische Stufenturm — wo immer er gestanden hat — soll zum Himmel hinaufführen, aber der Neid der Götter legt dieses Titanenwerk in Trümmer. Der a.-t.liche Erzähler läßt von diesem unvollendeten Werk der Menschen die Vielheit der Sprachen und Völker ausgehen; sie ist die Folge menschlicher Sünde; etwas Unnatürliches; etwas, das Gott nicht gewollt hat. Nach seinem Ratschluß sollte in der Völkerwelt Eintracht und Einverständnis herrschen: Ein Reich, das dem Frieden und der Gesittung diente. Wie haben Propheten und Dichter des A. T.'s gerade diesem Gedanken, der aus der Tiefe der Seele Israels geboren ist, immer aufs neue Worte geliehen, und wie weit sind wir heute noch immer von ihm entfernt. An religiös-sittlichen Idealen ist das A. T. noch immer unerschöpft. — Der Wert einer Religion tritt m. E. besonders in den Gedanken hervor, die sie über das Verhältnis der einzelnen Seele zu ihrem Gott produziert. Nun wurzeln gewisse Gedanken hierüber tief in jeder Menschenbrust und tritt uns darum in dieser Hinsicht ein gar nicht geringes Maß gleichartiger Erscheinungen entgegen. Besonders stark in der Religion Babylons ist die nur hier und da durch einen anderen Gesichtspunkt gemilderte Furcht vor dem'Zorn der Gottheit,-sei es, daß dieser sich direkt betätigte, oder dadurch, daß er irgend welche bösen Mächte gewähren ließ. Und dieser göttliche y Es ist uns keine keilschristliche Vorlage zur Turmgeschichte überliefert. Ich rede von her durch den biblischen Bericht durchschimmernden heidnischen Vorlage.

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