Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Israels Religion im Lichte der altorientalischen Geisteskultur
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 17)
- Language
- German
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76 -eine aus dem Schöpfungsmythus gewonnene Bereicherung der religiösen Gedankenwelt Israels in der Uebernahme des babylonischen Weltbildes. Die für dieses charakteristische Dreiteilung des Universiums in ein Luft-, Erde- und Wasserreich läßt sich im A. T. konstatieren, wenn es z. B im Dekalog heißt:*) „im Himmel, auf Erden und im Wasser unter der Erde." Auch die „oberen Wasser" oder „der Strom Elohims, reich an Wasser" im Psalms widerspiegeln die babylonische Vorstellung vom Himmelsozean. Mit ihr im Zusammenhang steht sicherlich auch das Kultusgerät des sog. „ehernen Meeres". Nun ist aber noch eines wesentlichen Unterschiedes zwischen der keilschriftlichen und der biblischen Schöpfungsdarstellung Erwähnung zu tun: dort ruht der ganze Hergang auf einem mühsamen Kampf, den erst Marduk, der Repräsentant des.Lichtes, gegen das finstere chaotische Urmeer bestehen muß: hier waltet von Anfang die Schöpfermacht Elohims, von keinem Gegner beeinträchtigt; durch das Wort ruft er die Dinge ins Dasein und was er ins Dasein ruft, ist vollkommen. Noch bedeutsamer ist, was das A. T. aus der babylonischen Flutgeschichte gemacht hat. Um der menschlichen Sünde willen muß die.Flut kommen als ein Strafgericht des heiligen Gottes, der einzelne Fromme aber wird gerettet. Es soll hier selbstverständlich nicht bestritten werden, daß den betr. babylonischen Erzählungen der sittliche Gesichtspunkt keineswegs gänzlich fehlt. Das tritt besonders in einer Rezension der Sintslutge- -schichte hervor, in welcher von göttlichen Heimsuchungen die Rede ist, die um' der Frevel der Menschen willen gekommen sind, und deren letzte Steigerung die Sintflut ist?) Aber in der bekanntesten Rezension wissen die Götter selbst nicht, was sie zur Herbeiführung der Flut veranlaßt hat; der Gott Ea rettet seinen Liebling heimlicherweise. Als die Flut da ist, bekommen die y Vgl. 2. Mos. 20, 4. 2) Vgl. Ps. 65, 10. 3) Vgl. A. Jeremias, Handbuch der altorientalischen Geistesckultur, Leipzig 1913, S. 70.