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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 75

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Israels Religion im Lichte der altorientalischen Geisteskultur
Date
1916-01-01
Page
Seite 75 (sequence 16)
Language
German
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75 annehmbar ist immerhin die Vermutung, daß hierbei: babylonische und phönizische Vorstellungen eingewirkt haben. Nur ist der Erlösungsgedanke, der dort auf physischem Gebiete erwachsen war, israelitischerseits auf das heilsgeschichtliche übertragen. In entgegengesetzter Hinsicht trägt Jahwe die Züge des Gottes der Sonnenglut, wenn es von seinem Zorne heißt, daß er die Fluren verdorren und die Bäume verwelken läßt.^) Auch wenn er mit einem Adler verglichen wird — auf Adlersflügeln trägt er sein Volk — so mag hier vielleicht das Adlersymbol des Sonnengottes bestimmend gewesen sein. Eine ganz wesentliche Bereicherung erfuhr aber das Jahwebild durch die Berührung Israels mit den Mythenschätzen Babylons. Aus der bunten Fülle jener mythologischen Gestalten und Handlungen, die die Schöpfung^ Sintflut u. a. betreffen, hat Israel gar manches in seine Gottesanschauung aufgenonimen und in charakteristischer- Weise umgebildet. Da es eine Belebung und Personifikation der Naturkräfte für israelitisches Denken-nicht gab, so mußte der mythologische Charakter der übernommenem Literatur natürlich abgestreift werden. Am Bekanntesten ist, wie der berühmte Kampf Marduks mit dem Chaosungetüm auf Jahwe übertragen ist: Jahwe ward zum drachentötenden Gott. Der Dichter sagt von ihm, daß. er das Meer gespalten habe durch seine Kraft, zerbrochen die Köpfe der Drachen im Wassers) Interessant aber ist, welche Spitze dieser Machtbezeugung Jahwes gegeben wird. Sie ist der Erweis seiner Weisheit: „Wie sinddeiner Werke so viel! — Wie hast du sie alle weislich geordnet!" — Der Erweis der Gerechtigkeit und Treue gegen die Seinen: „Gerechtigkeit und Recht ist deines Thrones Stütze. Gnade und Treue stehn vor deinem Angesicht."») Während das Motiv des Drachenkampfes ausschließlich in der Poesie Verwendung findet, begegnet uns sonst: >1 Vgl. Amos l, 2. 2) Vgl. Ps. 74, 13. -) Vgl. Ps. 104, 24 ff. 89, 10 ff.

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