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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 74

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Israels Religion im Lichte der altorientalischen Geisteskultur
Date
1916-01-01
Page
Seite 74 (sequence 15)
Language
German
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74 religionsgeschichtliches Ereignis. Keine der altorientalischen Religionen hat sich zu dieser Hohe in der Beurteilung des Kultus aufgeschwungen. Zwar haben die Babylonier ein geistiges Element, z. B. die Vorlesung von Göttergeschichten, in ihre kultischen Feiern einzuführen begonnen, aber wie weit bleibt diese Maßregel von jener Erkenntnis des A. T.'s entfernt. So fest nun auch die Charakterzüge Jahwes geprägt waren, es ist ein Zeichen für die Gesundheit der religiösen Entwicklung Israels, daß es dem GÄstesbild seines Gottes manches Element aus der religiösen Kultur Vorderasiens einzufügen wußte. Das Bild Jahwes ist dadurch keineswegs in seinem innersten Wesen gewandelt, überhaupt eine prinzipielle Aenderung der Religion Israels dadurch nicht erfolgt; aber eine gewisse Bereicherung der Gottesanschauung ist doch herbeigesührt. Am deutlichsten erkennbar in dieser Hinsicht ist, wie der Gott der Viehnomaden im Kulturland Kanaan zum Lehrer und Förderer des Ackerbaues wird Ein vernmtlich altes Lied im Buche des Jesajas*) spricht davon, daß Jahwe den Landmann unterwiesen habe, bei Aussaat und Ernte das Richtige zu tun. Wohl ist auch die Vermutung annehmbar, daß die Heiltätigkeit Jahwes, d. i. die besonders bei Jeremias und in den Psalmen sich findenden Aussagen über Jahwe den Heilenden, den Lebendig- und Gesundmachenden auf babylonisch-phönizische Anschauungen von einem Heilgott zurückgehen. * 2) Noch ein anderer Zug dürfte von dieser Seite her wenigstens eine Befruchtung erfahren haben: der der erlösenden Tätigkeit. Von Haus aus ist Jahwe der strenge, der unnahbare, der Gott von verzehrender Heiligkeit. Wenn er besonders in späterer Zeit „der Erlöser", „der Helfer" genannt wird, so sprechen ja dabei die Zeitverhältnisse, wie die individuelle Veranlagung derer, die ihn so nennen, mit; aber möglich und religionsgeschichtlich ') Vgl. Jes. 28, 23 ff. 2) Vgl. hierzu und zum Folgenden die eingehenden Untersuchungen Baudissins in seinem Buche: Adonis und Esmun, Leipzig 1911.

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