Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Israels Religion im Lichte der altorientalischen Geisteskultur
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 14)
- Language
- German
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73 Ausdruck; nämlich im Kultus; zunächst in dessen Bildlosigkeit. Jegliche bildliche Darstellung Jahwes war verpönt. Begreiflicherweise hat sich je länger je mehr die Anschauung der religiös führenden Persönlichkeiten und Las Bedürfnis der großen Menge an dieser Stelle in Widerstreit gesetzt. Aber in richtiger Erkenntnis der Gefahren, welche die bildliche Darstellung der Gottheit bezüglich der Geistigkeit wie der Einheit involvierte, war und blieb man unerbittlich. Und es muß als eine hervorragende Geistestat der Träger des reinen Jahwismus bewertet werden, daß trotz des Bilderverbotes Jahwe den Seinen immer eine lebensvolle Persönlichkeit geblieben ist; ein Gott, dem sich die Volksgemeinde wie die einzelne Seele gleicherweise nahe wußtet) Wie viel Psalmen, sind nicht ein lautes Echo des Bewußtseins von der gnadenreichen Nähe Jahwes? — Und das Deuteronomium fragt mit Recht: „Wo gibt es ein Volk, dem sein Gott so nahe wäre, wie Jahwe, unser Gott, so oft wir ihn rufen?" 1 2 3) Aber noch nachhaltiger hat das geistige Wesen Jahwes auf das Opferwesen gewirkt. Bei der Schlichtheit und Herbheit der ursprünglichen Nomadenreligion des Moses dürfen wir annehmen, daß der Jahwekult von Haus aus wohl nur in einfachen Formen sich bewegte. Erst im kanaanäischen Kulturland ist Prunk und alles mögliche andere in ihn eingedrungen, wie z. B. jener sexuelle Orgiasmus, der dem Baal-Astart- Kult eigentümlich war. Gegen alle solche, zum Teil nur zeitweiligen Entartungen hat das religiöse Bewußtsein Israels immer wieder Front gemacht. Aber nicht nur das. Seine Propheten und Psalmisten sind zu der Erkenntnis fortgeschritten, daß ein materieller Opferkult überhaupt wertlos sei, daß man das geistige Wesen Jahwes nur im Geiste anbeten dürfe. Gehorsam gegen seine Gebote und ein demütiges Herz seien die Opfer, die ihm Wohlgefallen?) Diese Erkenntnis bedeutet ein 1) Vgl. I. Hehn, die biblische und babylonische Gottesidee, Leipzig 1913; u. a. S. 285 ff. 2) Vgl. 5. Mos. 4, 7. 3) Vgl. Ps, 51, 18.