Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Israels Religion im Lichte der altorientalischen Geisteskultur
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 12)
- Language
- German
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die Personifikation des Himmels, eine Vorrangstellung vor den anderen Göttern; ein andermal wird dem Mondgott von einem Dichter eine ganz besondere Verehrung erwiesen: „Im Himmel, wer ist erhaben? — Du, du allein bist erhaben! Auf Erden, wer ist erhaben? — Du, du allein bist erhaben!" Endlich gelangt ein Gott, wie Marduk in Babylon, infolge politischer Umstände zu einer zweifellosen Suprematie. Politisch motiviert war Wich der Versuch Amenophis IV. — Echnatons, in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, in allen Gebieten seines Reiches einen gemeinsamen Kult der Sonne einzuführen. So schön die Worte des königlichen Dichters in seinem Sonnenhymnus klingen: Die Erde ist'in deiner Hand, wie du die Menschen gemacht hast. * Gehst du auf, so leben sie; gehst du unter, so sterben sie. Du selbst bist die Lebenszeit, und man lebt in dir. Alle Augen schauen auf deine Schönheit, bis du untergehst"; irgend eine klare monotheistische Aussage enthält der ganze Hymnus nicht. Schließlich wäre hier noch der Siebengottheit des Zweistromlandes, des „Götterherrn" und des „Himmelsherrn" der Kanaanäer und der Aramäer zu gedenken: alles gewisse Ansätze, die zu einem Monotheismus hätten hinführen können, ohne daß derselbe in Wirklichkeit erreicht ist. Ueberall fehlt die Exklusivität gegen die anderen Götter, jene gesunde Intoleranz, die für die Mosesreligion charakteristisch ist; und es muß als eine unleugbare historische Tatsache bezeichnet werden: nur Israels religiöser Genius hat einen wirklichen Monotheismus erzeugt, und diese seine Gotteserkenntnis ist nach ihrem Ursprung wie ihren Konsequenzen wesentlich von der der übrigen Kulturwelt Vorderasiens verschieden.