Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Israels Religion im Lichte der altorientalischen Geisteskultur
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 11)
- Language
- German
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70 Diese geistige, zum Monotheismus hinführende- Gottesanschauung liegt schon im Werk des Moses einbeschlossen; von Anbeginn hat Jahwe weder Weib noch Sohn. Die breite Masse in Israel ist wohl geneigt, der Astarte oder der Himmelskönigin zu huldigen, der reine- Jahwismus lehnt solches ab. Das A. T. nennt Wohl» gelegentlich Mittlerwesen zwischen Jahwe und seinem Volke, sie gehören größtenteils dem Volksglauben an. Mit dem Augenblick, wo Israel in die Geschichte eintritt, strebt auch seine Gottesvorstellung über die nationalen Schranken hinweg.- Jahwe tritt kraft seines geistigen,, sittlichen Wesens in Beziehung zu der gesamten Menschheit; ein auf sittlicher Grundlage ruhender Monotheismus ist das Resultat. Israels Propheten. aber gebührt der Ruhm, diese nicht nur für die religiöse Entwicklung. Israels, sondern für die geistige Entwicklung der Menschheit bedeutsame Gottesanschauung herbeigeführt zu haben. Einem Jesaias erscheint das Ringen der Völker seiner Zeit als der Widerstreit zwischen Fleisch und Geist:, gegenüber brutaler Gewalt und schamloser Gewinnsucht muß dem Recht und der Gesittung doch der Sieg verbleiben, so urteilt im achten Jahrhundert v. Ehr. der Prophet. Ist moderne Weltbetrachtung über diesen ethischen Optimismus, dem die Weltgeschichte das Weltgericht bedeutet, bis heute hinausgekommen? Es soll nun nicht geleugnet werden, daß sich in den Religionen des alten Orients „Strömungen" zeigen, die man allenfalls monotheistisch nennen kann. Zu dieser sehr einschränkenden Formulierung des Urteils glaube ich mich darum berechtigt, weil ja doch die Frage, ob diese oder jene Gottheit allein existenzberechtigt sei, weder im Zweistromland noch in Aegypten oder sonstwo jemalsaufgeworfen ist. Nirgends begegnet uns eine Problemstellung, wie sie in der Karmelepisode der Eliasgeschichteu unzweideutig vorliegt: „Ist Jahwe der einige Gott oder Baal?" — Z Was sich also anführen läßt, sind unbewußte Ansätze. Z. B. hat in Babylonien der Gott Anu,. y Vgl. 1. Kim. 18, 21. 39.