Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Israels Religion im Lichte der altorientalischen Geisteskultur
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 7)
- Language
- German
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66 Sind es nicht bekannte Klänge, zu denen aus Psalmen und Proverbien zahlreiche Parallelen leicht zu erbringen wären? — Und die nämlichen Gebote begegnen uns im ägyptischen Totenbuche. Hier bekennt die Seele eines Abgeschiedenen vor den Totenrichtern u. a. folgendes: „Ich habe nicht getötet. Ich habe nicht Ehebruch begangen. Ich habe das Kornmaß weder vergrößert, noch verringert. Ich habe die Gewichte der Wage nicht vergrößert. Ich habe nicht gestohlen. Ich habe den König nicht geschmäht. Ich habe Gott nicht geschmäht. Ich habe Gott zufriedengestellt durch das, was er liebt: Ich habe dem Hungernden Brot gegeben Und dem Dürstenden Wasser Und dem Nackten Kleider Und dem Schifflosen eine Fähre. Ich habe den Göttern Opfer dargebracht Und den Verstorbenen Totenopfer." Fast noch größer, jedenfalls stärker in die Erscheinung tretend, ist die internationale Verbreitung mancher Literaturgattungen und deren oft frappante Berührungen unter einander. Beginnen wir mit der religiösen Dichtung. Bei der Verbreitung des Sonnenkultes über ganz Vorderasien und Aegypten dürfen wir den Sonnenhymnen hier wohl den ersten Platz einräumen. Für Aegypten sei hier der Hymnus des Pharao Echnaton genannt, mit welchem sich der 104. Psalm berührt. Auch manche der babylonischen Hymnen an Schammasch, die überhaupt zu dem Gehaltvollsten der keilschriftlichen Hymnenliteratur gehören, erinnern lebhaft an biblische Naturpsalmen: „Barmherziger Gott, der du die Niedrigen aufrichtest, die Schwachen schützest,