Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Natürlich kann nicht jedes Jahr neue Schatze bringen» In der Zwischenzeit gilt es, dies Neugefundene zir sichten und dessen Ergebnisse sicher zu stellen. Das schließt allerdings nicht aus, daß auch das Alte einer genauen Revision unterzogen wird, wobei neue Regeln entdeckt werden und Manches, dessen man sicher zu sein glaubte, einer neuen Prüfung zu bedürfen scheint. Seit etwa zwanzig Jahren beschäftigt man sich intensiv mit dem Problem der Metrik in der hebräischen Poesie. Esist dies das vielleicht zurzeit meistbesprochene Kapitel der hebräischen Sprachforschung. Im übrigen greift diese Forschung bereits in eine andere über, wobei manches recht Bedenkliche zu Tag tritt. Einige Forscher glauben nämlich, in der hebräischen Poesie bestimmte metrische Regeln und Strophenkonstruktionen gefunden zu Haben, und betrachten diese als sichere Grundlage dafür, die poetischen Bücher der Bibel textkritisch zu behandeln. Da kann der Irrtum, und um einen Irrtum handelt es sich hier zweifellos, geradezu verhängnisvoll werden. Leider haben sich dieser Schule der Bibelforschung auch Männer von Ruf angeschloffen, und wenn diesem bedenklichen Treiben nicht rechtzeitig Einhalt geboten wird, geraten wir bald in ein Chaos. Um da klare Einsicht zu schaffen, müßte vor allem das Problem der hebräischen Metrik, das ein Tummelplatz für Berufene und Unberufene geworden ist, mit Sachkenntnis, d. h. mit mehr als formaler Kenntnis der hebräischen Sprache, wie sie jetzt üblich ist, erfaßt werden. Wer von der Metrik der hebräischen Poesie spricht undgar nicht weiß, daß auch die hebräische Prosa ihre metrischen Gesetze auszuweisen hat (es kommt dabei nur ein Teil der biblischen Schriften in Betracht), begibt sich gleich auf einen Weg, der in die Irre führt. Eine genaue Erforschung der biblischen Akzente, und eine solche fehlt uns bis auf den heutigen Tag, zeigt deutlich, welchen Deklamationswert die hebräischen Vokalzeichen in Poesie und Prosa haben. Wenn man sieht, wie viek schon zur Frage der Metrik in der hebräischen Sprache geschrieben ist, ohne daß zuvor die Tiefen der Akzentologie