Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 33)
- Language
- German
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50 Palästina und in Aegypten gibt, die jenen in Bagdad vorangegangen sind. — Von Maimonides Ethik, die man als Seelenhygiene bezeichnen kann, ist ein Teil als Lebensführer für einen ägyptischen Herrscher geschrieben worden und in hebräischer Uebersetzung bekannt. Diese Lehren sind jetzt unter dem Titel „Des Maimonides Seelenhygiene" (Auszug aus dem dritten Kapitel des diätetischen Sendschreibens des Maimonides an den Sultan Al malik Alafdhal) zum ersten Mal im Original' von A. Kroner herausgegeben worden. Der vielbesprochene und viel angefeindete, und in den Kreisen seiner Ankläger wenig bekannte „Schulchan- Aruch" hat seinen Historiker gefunden. Ch. Tschernowitz hat eine Monographie „Die Entstehung des Schülchan-Aruch" geschrieben, in der mit großer Sachkenntnis geschildert wird, wie der „Schulchan-Aruch" in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden ist, und welche Aufnahme er in der Judenheit gefunden hat. Man weiß, daß er sich bald die Glossen des Rabbi Moses Jsserles, der dem „Gedeckten Tisch" seine „Tischdecke" beigegeben hat, gefallen lassen mußte. Und dann die große Zahl von Kommentaren und Superkommentaren, mit denen er verbrämt wurde, so daß der „Gedeckte Tisch" unter der Last der aufgetragenen dialektischen Speisen nahezu zusammenzubrechen drohte. Eine Ergänzung müßte die vorliegende treffliche Studie in der Schilderung der Aufnahme des „Schulchan-Aruch" in der sephardischen Judenheit erfahren. Da wird Joseph Karo schlechtweg als maran (Monsignore) bezeichnet, und doch hat sich das religiöse Leben unter den sephardischen Juden viel freier gestaltet als unter den deutsch-polnischen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch eine Tatsache in Erinnerung bringen, die wenig bekannt zu sein scheint. Die älteren Ausgaben des „Schulchan-Aruch" enthalten eine kurze Vorrede des Verfassers, in der dieser deutlich sagt, daß sein Buch weiter nichts als ein Kompendium für Schüler sein soll. Und doch, was hat die Nachwelt aus diesem Kompendium für Schüler gemacht. Hab ent sua fata libelli.