Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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liegende Geschichte ist in den Schlußkapiteln einseitig undgeradezu gehässig, daß man von dessen Lektüre eine t^cht schlimme Wirkung befürchten muß. Die Geschichte des 19. Jahrhunderts ist höchst parteiisch und ungerecht geschrieben, und manches ist geradezu kleinlich oder kläglich. Was soll man dazu sagen, wenn der große Denker Nachman Krochmal auf Seite 431 mit nicht ganz acht Zeilen abgetan wird, während zeitgenössischen Rabbinern, die gewiß ehrenwerte Männer waren, von denen aber jetzt kein Mensch mehr etwas weiß, ganze Kapitel gewidmet sind? Diese Rabbiner sind in Kotteks Geschichtemit dem Ehrentitel Rabbi geschmückt, was jedoch Krochmal, Abraham Geiger usw. vorenthalten wird. Krochmals Mißgeschick scheint dadurch veranlaßt zu sein, daß: I. Halevy, dessen Geist-über Kotteks Geschichte schwebt, gegen ihn häufig mit Schärfe Polemisiert. Mir ist es klar, daß Halevy Krochmal gar nicht verstanden hat, was übrigens auch bei manchen Anderen zu konstatieren ist.. — S. L. Rapoport, der Jünger Krochmals, der sichspäter der Orthodoxie zugewandt hat, wird in diesem Buch etwas freundlicher behandelt. Allerdings zu einem besonderen Kapitel in der neuesten jüdischen Geschichte verhalf ihm auch die später erlangte Rechtgläubigkeit nicht. Die reifere Schuljugend und auch die erwachsenen Laienleser dürfen aber wissen, daß S.L. Rapoport durch feine talmudische Gelehrsamkeitses wird in der Geschichtebehauptet, daß er darin Krochmal überragte) großes Ansehen erlangt habe und sogar die Tochtet eines berühmten Rabbi, des Verfassers des „Kezoth. ha-choschen“, zur Frau erhielt. Wer außer den alten Pilpulisten interessiert sich noch für den „Kezoth. ha-choschen“? S. D. Luzzatto, dieser eigenartige vielseitige Mitbegründer der Wissenschaft des Judentums. den man mit Recht den „großen Juden" genannt hat, wird in knappen 21 Zeilen „erschöpfend" behandelt. Wenn man nur dessen Hauptwerke, die einen bleibenden Wert haben, namentlich anführen wollte, müßte man dazu zwei Seiten in Anspruch nehmen. Ausführlich wird Abraham Geiger geschildert — natürlich um schwarz in schwarz gemalt zu werden.