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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 33

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1916-01-01
Page
Seite 33 (sequence 16)
Language
German
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33 Aber der Inhalt dieses Gutachtens Zeigt, daß er vom Judentum und seiner Entwicklungsgeschichte wenig weiß. »Er will in der Hauptsache zwischen dem prophetischen Judentum und der Volksreligion unterscheiden. Das prophetische Judentum steht auf einer hohen Stufe der Ethik, während die Volksreligion, von der Rudimente auch in der Bibel zu finden seien, sich im Talmudismus fortgesetzt habe. Die westeuropäische, insbesondere die deutsche Judenheit habe mit dem Judentum des Talmudismus nichts gemein, mit Ausnahme vielleicht einer ganz kleinen Minderheit, die kaum in Betracht käme. Der Talmudismus sei das Judentum der kulturell zurückgebliebenen Juden in Osteuropa. Das Gesetz schütze die, Religion einer in Deutschland' anerkannten Religionsgemeinschaft gegen Lästerungen, nicht aber eine solche, deren Bekennerschaft anderswo lebe. Der Gott und die Religion der deutschen Juden sei nicht beschimpft worden, und die Lästerungen gegen einen anderswo verehrten — sagen wir also einfach einen „ausländischen" — Gott, wenn sie auch als maßlos und gehässig zu mißbilligen seien, können in Deutschland strafrechtlich nicht verfolgt werden. Was soll man zu dieser Logik sagen? Zunächst mag zugegeben werden, daß die Volksreligion in alter und neuerer Zeit sich nicht auf der Höhe des Prophetismus gehalten hat. Die Volksreligion kann niemals diese geistige Höhe erklimmen. Aber ist es wissenschaftlich und sittlich gerechtfertigt, den Glauben Israels nach der volkstümlichen Auffassung in alten Zeiten zu beurteilen? Wäre es gerecht, den Wert des Christentums nach dem mittelalterlichen Aberglauben, nach den Hexenprozessen und ähnlichen Erscheinungen zu bewerten. So wenig das Christentum der Evangelisten und nach Harnacks „Wesen des Christentums" mit dem Volksaberglauben, der wahrlich auch noch heute sehr stark vertreten ist, identifiziert werden darf, ebenso wenig kann die jüdische Volksreligion, die Kittel in alten Schriften findet, als Wertmesser für das Judentum angesehen werden. Und was weiß Kittel vom Talmudismus, den fs Cf

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