Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111104-3116905--5205-3116970- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
29 Leben. Die philosophischen biblischen Schriften Hiob und Koheleth wie auch die Weisheitsdichtung im Buche „Sprüche Salomos" behandelt K. Kautzsch in einer kleinen volkstümlichen Schrift „Die -Philosophie des Alten Testaments" (in der Sammlung „Religionsgeschichtliche Volksbücher"). Der Verfasser ' gibt von diesen Büchern eine gemeinverständliche Darstellung, die der Laie mit großem Interesse und Nutzen lesen kann. In englischer Sprache liegen zwei Arbeiten über das Buch Hiob vor: „The Poem of Job“ von E. G. King und „The Divine Drama of Job“ von CH. F. Aked. Die Forschung über die apokryphischen und apokalyptischen Schriften scheint in diesem Jahre nicht Vieles gezeitigt zu haben. Mir sind auf diesem Gebiete nur zwei Schriften bekannt geworden: „The Books of the Apocrypha“ von W. E. O. Oesterley und „Jewish and Christian Apocalypses“ von F. C. Burkett. -P - * »i- Die Religionsgeschichte ist eine ziemlich junge Wissenschaft, die bei den Kulturvölkern erst noch Ueberwindung des naiven Glaubens, der gedankenlosen Verehrung des Ueberlieferten aufgekommen ist. Im 18. Jahrhundert, als die Kritik der Religion einsetzte, Pflegte man diese mit Spott zu behandeln. Das war in der Sturm¬ und Drangperiode der Aufklärung, die selten in die Tiefe ging, um den religionsgeschichtlichen Ereignissen auf dem Grund zu sehen. Erst später kam auch auf diesem Gebiete die geschichtliche Betrachtung der Dinge auf, d. h. statt der Polemik suchte man das Verständnis. Im Judentum ist dieser Entwicklungsgang der Religionsgeschichte nicht zu beobachten. Zwar hatten auch wir eine geschichtliche Epoche der Aufklärung, der sog. Haskala. Aber diese war in Wahrheit dem Judentum fremd. Die religionsgeschichtliche Forschung hingegen begann im Judentum schon im Mittelalter, als man in der abendländischen Welt, ich möchte sagen, bei hellem lichten Tag die Fensterläden schloß, um dem Sonnenlicht den Ein-