Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5675
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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rechtigung der Juden und ihres Schulwesens, von dem wir sogleich sprechen werden, bereits als unwiderrufliche Tatsache vorfinden. Die Polen verhandeln schon eifrig mit der deutschen Regierung in ihrem Lande. Das ist ein Punkt von äußerster Wichtigkeit. Nicht obschon, sondern weil wir die Zukunft jener Länder noch nicht kennen, muß die Stellung der Juden von vornherein entschieden sein. Vor allem muß den Juden die völlige Gleichberechtigung gewährt werden. Man wende nicht ein, daß die Masse der dortigen Israeliten dafür noch nicht reif ist. So reif wie die der polnischen oder litauischen Bauern - ist sie gewiß. Und dann, nur die Freiheit kann die Zustände bessern, die durch eine vielhundertjährige Unterdrückung hervorgerufen worden sind. Vor hundert, ja vor achtzig Jahren sah es in der Provinz Posen mit den dortigen Juden nicht besser aus wie in dem jetzigen Polen. Es herrschte daselbst eine unbedenkliche Gewinnsucht, die die Zahlen der jüdischen Kriminalistik unheimlich anschwellen ließ und die Zuchthäuser mit zahllosen Juden bevölkerte, unbeschadet des schlimmsten religiösen Aberglaubens. Erst die freiheitlichen Bestrebungen und die bessere Bildung seit den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts haben hierin einen Umschwung zum Guten hervorgebracht, so daß unsere Glaubensgenossen in den ehemals polnischen Gegenden Preußens zu den ehrenhaftesten und tüchtigsten Elementen des deutschen Vaterlandes geworden sind. Und ebenso würde die Freiheit und die bürgerliche Ehre sowie die höhere Bildung auch auf die Juden Polens und Litauens wirken. Uebrigens waren die polnischen Israeliten schon seit 1863 dem Namen nach gleichberechtigt und sind nur allmählich durch die russische Reaktion der Emanzipation beraubt worden. Für die Distrikte Litauens, die bei dem Friedensschlüsse wahrscheinlich an Rußland zurückgegeben werden, wie die Gegenden von Wilna, Pinsk usw. müßte die Gleichstellung der Juden vertraglich sestgelegt werden, lind zwar mit Bestimmungen und in Ausdrücken, die nach menschlichem Ermessen solche schändliche Ausreden und