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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 13

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Rückblick auf das Jahr 5675
Date
1916-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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bündeten besetzte westliche Litauen bewohnen, in seinen großen Zügen geregelt werde. Nur die unmittelbare- Macht der deutschen und österreichisch-ungarischen Regierung kann diesem Geschick eine günstige Fügung geben. Denn wer wird nach dem Frieden im Innern jener Länder den Ton angeben? In Polen die Schlachta, der polnische Kleinadel, der schon längst das benachbarte- Galizien regiert und ausbeutet. In Kurland der durchaus reaktionäre baltische Adel. In Litauen das russische- Beamtentum, über das sich niemand Jllussionen machen wird. Diese Elemente werden alles aufbieten, die Juden im Stande der Parias zu erhalten, sie von der nationalen Kultur auszuschließen, um ihnen jeden Einfluß auf das soziale, wirtschaftliche und intellektuelle Leben des Volkes zu benehmen. Kundgebungen von polnischer Seite liegen leider schon jetzt in diesem Sinne vor. Sie werden damit nur tun, was sie bisher nach Kräften getan haben. Eine günstigere Wendung in der Entwicklung der Juden aller jener Länder ist demnach lediglich zu erwarten, solange die verbündeten Regierungen unmittelbar dort die Gewalt ausüben. ' Sie haben auch ein wesentliches Interesse daran,, das jüdische Element in den vorerwähnten Gegenden zu heben und zu stärken, da sie in ihm einen steten treuen Bundesgenossen finden, wie es z. B. die Juden der Provinzen Posen und Westpreußen allezeit für diepreußische Regierung gewesen sind. Wohl aber ist es eine unabweisliche, dringende Pflicht für uns deutsche- und österreichisch-ungarische Juden, unseren Regierungen den Weg zu weisen, den sie für die Kräftigung und- Nutzbarmachung der östlichen Juden zu beschreiten haben. Wie könnten diese Regierungen sonst den Weg findenbei ihrer gänzlichen Unbekanntschaft mit der östlichen Judenheit? Nicht ein Augenblick. darf dabei verloren werden, denn große Reformen lassen sich nicht von einem Tage zum anderen bewerkstelligen. Es darf auch nicht eingewendet werden, daß das staatsrechtliche Schicksal jener Länder noch nicht feststehe: Polen, Balten, Litauermüßten am Tage endgültiger Regelung die Gleichbe-

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