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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 11

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Rückblick auf das Jahr 5675
Date
1916-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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— 11 wie unmenschlichen Drohung. In Sochatschew wurdendie Geißeln gehenkt für ein Verbrechen, das sie nicht begangen hatten, sie büßten die angeblichen Missetaten von Menschen, die sie nicht einmal gekannt hatten, durch schmachvollen Tod! Dieser selbe Höchstkommandierende, der nunmehr glücklich nach dem Kaukasus abgeschobene Großsürst Nikolai, hat am -27. April 1916 (alten «Ltils) an der ganzen Frontlinie angeordnet, „auf die jüdischen Soldaten Acht zu geben, ob sie sich nicht freiwillig in Gefangenschaft begeben, und wie sie sich überhaupt verhalten." Die Absicht dieses schändlichen Befehls ist klar: die jüdischen Soldaten sollten ihren eigenen Kameraden als die verräterischen Urheber der russischen Niederlagen denunziert werden. Und dabei haben während des ersten. Kriegsjahres 602 Juden im russischen Heere das Georgkreuz — Auszeichnung für bewiesene hohe Tapferkeit — erhalten! Unter dem angeblichen Verdachte des Hochverrats sind zahlreiche Juden kurzer Hand gehenkt worden, und doch haben selbst russische Gerichte nicht einen einzigen Fall jüdischen Hochverrats feststellen können. Aber das russische Volk glaubt natürlich an die Verbrechen der Juden am Vaterlande! Auch in Kurland sind die friedlichen jüdischen Bewohner ausgewiesen worden, an vielen Orten unter der grausamen Maßregel, daß die Austreibung um 1 Uhr nachts, binnen dreier Stunden, vollzogen würde. Wer um 4 Uhr nachts nicht den Ort zu Fuß verlassen hatte — denn Wagen waren meist nicht aufzutreiben — wurde von den Kosaken niedergeprügelt. Glücklich noch die Juden, die an der nächsten Eisenbahnstation im Viehwagen Platz fanden; die übrigen mußten hilflos in die Wälder fliehen, wo Hunderte vor Mangel verschmachteten, bis endlich die baltischen Deutschen sich der Unglücklichen annahmen, sie mit Speise und Trank versahen und ihren Transport nach dem Inneren Rußlands in die Wege leiteten. Aber nicht nur im eigenen Reiche haben die russischen Militär- und bürgerlichen Behörden derart gegen die schuldlosen Juden gewütet. Auch während ihrer, zum..

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