Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5675
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
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10 Polen an 200 000, im ganzen also mehr als eine halbe Million Menschen vertrieben und dem Elend preisgegeben. Die Polizei und Gendarmerie behandelt die ausgewiesenen Juden wie gewöhnliche Verbrecher. Auf dem Bahnhof der Stadt Gomel z. B. wurde es dem jüdischen Hilfst komitee verwehrt, an die Züge heranzugehen, um den Ausgewiesenen Hilfe zu leisten und ihnen Nahrungsmittel und Wasser zu bringen. In einem Falle sind in größter Hast aus ihren Heimstätten vertriebene Juden während der ganzen Dauer ihrer langen Reise in .den Waggons eingeschlossen geblieben, und es wurde niemandem gestattet, sich ihnen zu nähern. Die meisten der Vertriebenen waren halbtot. Bei der Ankunft des Zuges konstatierte man unter ihnen 16 Erkrankungen an Scharlach und einen Fall von Typhus. Eine kranke Frau war unterwegs an Entkräftung gestorben. Aber dies ist nicht alles. Manche Gouverneure hielten es für notwendig, die Leiden dieser unschuldigen Unglücklichen noch zu verschärfen, indem sie den wehrlosen Opfern zur eigenen Ergötzung die schwersten Demütigungen zufügten. Insbesondere die Gouverneure von Poltawa, Minsk und. Jekaterinoslaw haben bei diesem unseligen Unterdrückungswerk die größte Energie entfaltet. Sie haben die ausgewiesenen Juden wie verurteilte Verbrecher behandelt. Widerrechtlich wurden ihnen die Pässe abgenommen und durch Geleitscheine ersetzt, in denen bestimmte Orte in fünf Gouvernements angegeben waren, wo die Ausgewiesenen an einem bestimmten Tage eintreffen mußten. Selbst innerhalb dieser fünf Gouvernements aber wurden die Juden ganz willkürlich von einem Ort zum anderen gejagt." Selbst der Briefwechsel in hebräischer und jiddischer Sprache — den einzigen, die zahllose Juden verstehen — wurde untersagt. In einem dienstlichen Erlasse bezeichnete der Höchstkommandierende es für unumgänglich, „Geißeln aus den Kreisen der Rabbiner und reichen Juden zu nehmen und ausdrücklich zu betonen, daß im Falle eines Verrats von seiten der jüdischen Bevölkerung diese Geißeln gehenkt werden." Und es blieb nicht bei dieser ebenso ungerechten