Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5675
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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es so viele tüchtige und wirkungsreiche Männer früher durch seine Ausnahmemaßregeln dem Feinde zugesührt hat. Nicht minder verwerflich ist ein Aufruf des israelitischen Zentralkonststoriums von Frankreich an die Glaubensgenossen der neutralen Länder, der unter falscher Darstellung der Ursachen des Krieges und unter der bewußt unwahren Verheißung besserer Verhältnisse für die russischen Juden Propaganda gegen Deutschland macht. Ein solches Auftreten von Juden als solchen ist ebenso gehässig wie unpassend. Alle Tapferkeit und Sympathien unserer westlichen Glaubensgenossen betätigten sich im Bündnis mit dem barbarischen Rußland, das, trotz aller schönen Worte und Verheißungen, im Kriege nur einen neuen Anlaß für die schrecklichsten, geradezu vernichtenden Verfolgungen' der Juden gefunden hat. Vergebens haben Hunderttäusende von ihnen willig ihr Leben für den Zaren und' das „heilige Rußland" auf den Schlachtfeldern preisgegeben. Das ist ihnen für nichts angerechnet worden. Kein Versprechen wurde ihnen gehalten. Was das angebliche Recht der Juden, die öffentlichen Schulen zu besuchen, anbetrifft, so gibt es bis heute ein solches Gesetz nicht, außer für Juden, deren Väter und Brüder im Felde stehen. Von der Universität Moskau werden Juden überhaupt grundsätzlich und ausnahmslos abgewiesen. Auch ein Gesetz, das den Juden erlaubt, während der Kriegsdauer in. allen Städten Rußlands zu wohnen, ist nicht vorhanden. Entsprechende Zusagen des Zaren werden gar nicht beachtet. So hat beispielsweise der Kommandant des Kriegsrayons von Kiew den Juden den Aufenthalt in seinem Befehlskreise nicht gestattet. Auch der Gouverneur von Archangel hat die gleiche Verordnung erlassen, mit der Begründung, es sei für Stadt und Land vorteilhafter, wenn die Juden nicht dort wohnten. Solcher Beispiele ließen sich noch viele anführen. Sogar die „Gehilfen der Minister" (d. h. die Unterstaatssekretäre) arbeiten mit aller Macht gegen jede Erleichterung des Schicksals der „Hebräer". In den