Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5675
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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und Ritter des Eisernen Kreuzes I. Klasse Dr. Haas sowie Professor Dessoir, in die deutsche Zentralverwaltung? berufen worden, während auch in den aus heimischen. Elementen gebildeten städtischen Vertretungen angesehene' Israeliten ihren Platz fanden. Polnische Blätter stellen, nicht ohne Mißvergnügen, fest, daß in dem österreichischerseits beherrschten südlichen Teile ihres Landes in den Magistrats-, Post-, Telegraphen- und ähnlichen Aemtern? sehr viele dortige Juden arbeiten. Man denke: edle Polen von Juden regiert! Und da sollen jene den beiden: Zentralmächten freundlich gesinnt sein! Es versteht sich, daß auch in den uns feindlichen Staaten die Juden ihre vaterländischen Pflichten mit' Eifer erfüllen. Die französischen Israeliten haben sichseit einem Jahrhundert durch ihre kriegerischen Neigungen, ausgezeichnet. Aber auch unter den englischen Fahnen kämpfen, nach den Aussagen der Feldgeistlichen Chief- Rabbi Joseph Hermann Hertz und Reverend Michel- Adler, schätzungsweise über 20,000 Juden, zehn Prozent? der gesamten jüdischen Bevölkerung Englands: viel mehr als der prozentweise Anteil der christlichen Bevölkerungausmacht. Weitere 5000 werden augenblicklich als Rekruten aus gebildet. Die beiden Rabbiner wissen von vielen Zügen des Heldenmuts jüdischer Soldaten zu berichten,, die sie aus dem Munde hoher Offiziere und zumal des- Oberkommandierenden Feldmarschall Sir John French, vernommen haben. Dieser hat dem Mute jüdischer Krieger hohe Anerkennung gezollt. Anders verhält es sich mit der Unterzeichnung eines die deutsche Kriegsführung verleumdenden Aktenstückesdurch zahlreiche in Großbritannien naturalisierte Juden deutscher Geburt. Wenn man auch als Entschuldigung anführen kann, daß diese Männer vor dem in Deutschland einst grassierenden Antisemitismus und Benachteiligungssystem in dem freien England eine glücklichere und erfolgreichere Heimstätte gesucht und gefunden haben, so ist? doch ein solches Auftreten in keiner Weise zu billigen. Man wechselt nicht sein Heimatgefühl wie ein gebrauchtes Hemde. Andererseits mag Deutschland bedauern, daß?