Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5675
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 uns daraus zu vertreiben, sind blutig gescheitert. Wir sind im Begriff, durch den Balkankrieg das afrikanische und asiatische Reich Großbritanniens in seiner Wurzel zu bedrohen. Dabei steht Deutschland unerschüttert da in seiner ökonomischen und finanziellen Kraft, die einen überraschenden Reichtum gezeigt hat, und besonders in der Anzahl seiner Streiter, von denen schier unerschöpfliche, wohl vorbereitete Reserven bereit sind, nicht nur den Angriffen unserer Widersacher zu trotzen, sondern auch im richtigen Augenblick den vernichtenden Schlag gegen sie zu führen. Noch eine andere Frücht hat der Krieg im besonderen für uns deutsche Juden gezeitigt. Dem Mahnworte des * Kaisers, daß es in Deutschland keinen Gegensatz der Parteien und der Bekenntniffe mehr geben dürfe, ist im ganzen und großen Folge geleistet worden. Allerdings ertönen noch hier und da verschämte antisemitische Aeußerungen. Aber sie sind doch recht vereinzelt und zaghaft. Vor allem hat die Regierung mit der Niederhaltung des lauten Antisemitismus unbedingt Ernst gemacht. Die Rufer im Streite: „Staatsbürgerzeitung" und „Deutschvölkische Blätter" sind kurzer Hand unterdrückt worden. Nur das beharrlich antisemitische Sachsen hat bisher, trotz aller Mahnungen der dortigen Israeliten, den Juden und Judentum beschimpfenden „Hammer" fortbestehen lassen. Wenn sonst Gerechtigkeit gegenüber den israelitischen Deutschen geübt wird, so haben diese es reichlich durch ihre glühende Liebe und ihren Opfermut für das Vaterland verdient. Wir wollen hier nicht davon sprechen, daß, wie jederzeit bei Werken der Wohltätigkeit und öffentlichen Wohlfahrt, so auch dieses Mal die Juden in den Spenden für die Krieger, zumal der verwundeten und kranken, sowie für deren Angehörige daheim im Vordergründe gestanden haben. Sie sind auch mit freudiger Begeisterung in die Reihen der Kämpfer geeilt; und zwar nicht nur infolge dienstlicher Verpflichtung, sondern auch besonders als Kriegsfreiwillige. Siebzehn- und Achtzehnjährige unter der israelitischen Jugend, noch halbe Kinder, haben Gesundheit und Leben jubelnd dem teuren Vaterlande zu Gebote gestellt. Die Eingetretenen, haben dann in vollem Maße ihre Pflicht getan. Tausende'