Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5675
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Rückblick auf das Jahr 5675. Von Martin Philippson. Anfang August 1914 der große Weltkrieg ausbrach, ging die allgemeine Ansicht dahin, daß die ungeheuren Opfer an Menschen und Geld, die er erfordere, seine längere Dauer unmöglich machten, und daß er nach etwa fünf bis sechs Monaten zu Ende sein werde. Einsichtige konnten sich dieser Meinung nicht anschließen. Sie waren freilich sicher, daß Deutschland und mit ihm Oesterreich-Ungarn sich behaupten würden; aber sie erkannten, daß es sich hier um die zukünftige Weltstellung der streitenden Mächte handle, und daß gerade deshalb so weitgedehnte und mit gewaltigen Hilfsmitteln ausgerüstete Reiche wie England und Rußland bis auf das äußerste den Kampf fortsetzen würden. Es ist leider so gekommen, und das grausige Morden dauert schon fünfzehn Monate fort, ohne daß ein Ende abzusehen wäre. Eine furchtbare Prüfung für die Menschheit, wie solche sie seit den Mongolenüberflutungen nicht mehr betroffen hat. Wir Deutsche, und damit auch im Besonderen wir deutsche Juden, haben bei all dem öffentlichen und privaten Kummer und Angstgefühl einen doppelten Drost. Nicht Deutschland und das ihm verbündete Oesterreich-Ungarn sind an dem Unheil schuldig, sondern die tückischen und neidischen Leiter der uns feindlichen Staaten, die eingestandenermaßen seit vielen Jahren den Vernichtungskrieg gegen uns geplant und sorgsam vorbereitet, die uns mit Schmähungen und Kränkungen bis auf das Blut gepeinigt hatten. Und zweitens: der Sieg hat sich bereits dauernd an unsere und , unserer Verbündeten Fahnen geheftet. Allerorten sind wir weit in Feindesland eingedrungen, und alle Versuche der Gegner, i