Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 258 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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— 258 - Gebräuche suchend und findend. Freuden, die in den innigen Zusammenhängen von Menschenwürde und Glaubenstreue ihren wurzelfesten Boden besaßen, und ihren reinen, schlichten Seelen einen ihnen unbewußten Schimmer von Poesie und Feierlichkeit gaben. Dieser Sinn des Lebens im alten Judentum ist der Neuzeit fast ganz verloren gegangen. Wo man ihm aber begegnet, pietätvoll ausgefaßt, verbreitet er heute noch einen wehmütigen Zauber längst vergangener Zeiten und rührenden Erinnerns. Josef Eisenberger hatte diesen Sinn des Judenlebens standhaft festgehalten. Er war ein echter Balbos in seiner Gemeinde. Geehrt und geachtet bei seinen Glaubensgenossen und bei allen die ihn kannten. Die Welt war klein, in der sein Leben sich abspielte, trotzdem es ihn in Berührung brachte mit verschiedenen Kreisen und Menschen ... aber was äußerlich um ihn war und sich abspielte, berührte und erschütterte sein jüdisches Innenleben nicht. Auch dann nicht, als sein Sohn und sein Enkelsohn alle Evolutionendes modernen Judentums mitmachten und dessen neue Wesenart angenommen hatten. Stark, energisch, in höchster Assimilisationsfähigkeit, hinausstrebend in neuentdeckte, große Welten. Seines Sohnes bedeutsamer Aufstieg auf der sozialen Leiter, seines Enkelsohnes selbstverständliche Zugehörigkeit zu der vornehmsten Gesellschaft, interessierte ihn, aber nur um ihretwillen und ohne jede Rückwirkung auf sich und Sarah, sein Weib. Er war und blieb ein alter Jüd in allen Gegensätzlichkeiten der wechselnden Zeiten und Generationen. Je älter er wurde, desto mehr versteifte er sich darauf. Aber in Milde und Duldung, und so warf sein Festhalten keinen Schatten aus den Hellen Glanz der Lebensführung seiner Angehörigen. Ein fernes Leuchten, ein traumhafter Abglanz, ein leiser Schimmer verdämmernder Gestirne! Die stillen, müden Farben, das Helldunkel sanften Erlöschens ruhte über diesen Zeiten, diesen Gestalten. So war auch Josef Eisenbergers Leben und Sterben. Bei seiner Beerdigung traten die Kontraste zwischen