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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 257

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Die Eisenbergers
Date
1915-01-01
Page
Seite 257 (sequence 66)
Language
German
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257 Man verabschiedete sich endlich allgemein, und bald lag das vornehme Haus im stillen Schweigen einer ausruhsamen Nacht, nach den starken,, vielgestaltigen Ereignissen eines bewegten bedeutungsvollen Tages. Auf dem Wege in sein Hotel, den Herr von Rothschild in Begleitung eines seiner Londoner Verwandten zu Fuß zurücklegte, sagte er nachdenklich: „Merkwürdige Menschen, diese Eisenbergers! Der ganz alte Jude dort unten im fernen Osten, wie man mir sagte noch in vollster Altgläubigkeit, hier der überlegte, völlig assimilierte und doch die Tradition hochhaltende Sohn und daneben dieser moderne, weltgewandte, kluge Egon . . . neben den Lehmanns und Elkisch und Goldschmidts eigentlich Parvenüs, und doch zu Würde und Selbstgefühl gelangt, die sie, wenn schon nicht ebenbürtig, doch gleichberechtigt erscheinen läßt . . . endeed . . . verry honorable . . . merkwürdig . . . ganz merkwürdig! Diese Freundschaft mit den Rettlingshausen . .. und dieser ganze Gesellschaftskreis heute Abend . . Er blieb stehen und blickte zum Himmel empor,von dem die klaren, lichtenSterne der milden Herbstnacht herableuchteten. Auf diese gewaltige Stadt, die im nächtlichen Schlummer ruhig dalag, als wäre sie ein Tal des Friedens ausgeglichener Gegensätze und reinster Harmonie. „Glauben Sie mir, lieber Elkisch, diese deutschen Juden Habens in sich!" Ein Novembertag des nächsten Jahres. Freitag Nachmittag! Man bettete Josef Eisenberger, gebürtig aus Loslau, zu letzter Ruhe in seinem derzeitigen Wohnort Peiskretscham, wo er im ehrenvollen Alter von 83 Jahren ruhig und sanft entschlafen war. Ein langes, arbeitsames und gesegnetes Leben lag hinter ihm. Eingeengt und eingefriedet in dem kleinen Bezirk eines Daseins, das nicht hinauswuchs und hinausstrebte über die Grenzlinien echter Jüdischkeit, fromm und einfach, demütig und brav. Die Freuden seiner Existenz und seines Hauses in seiner Religion und ihrer Sitten und 17

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