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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 259

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Die Eisenbergers
Date
1915-01-01
Page
Seite 259 (sequence 68)
Language
German
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— 259 «inst und jetzt seltsam hervor. Ganz nach alt-jüdischem Ritus hatte die Chewra kadischa die Beisetzung vorbereitet. Auf die Erde gebettet, wurde er nach den üblichen Waschungen in den kaum festschließenden Sarg aus .schwarz gestrichenen Brettern gelegt, im Sterbekittel, den •er seit Jahrzehnten schon, immer am Jom Kippur getragen hatte, seit der Zeit seiner Verheiratung. Unter bas, mit dem weißen Käppchen bedeckte Haupt legte man ein Säckchen mit Erde, die aus Jeruscholajim stammte, und aus dem prunklosen Leichenwagen der Gemeinde führte man ihn hinaus nach dem Gottesacker der Juden. Durch die endlos lange Straße, die vom „Ring" nach dem Friedhof sich hinzog. Vorbei an all den kleinen Häuschen und Hütten, in denen das Proletariat aller Konfessionen hauste. Juden und Christen. .And mit einer Art scheuer Ehrfurcht sah man.diesen Leichenzug vorüberziehen. Still standen die Neugierigen in den Haustüren oder hinter den geschlossenen, halberblindeten Fenstern und blickten dem Trauergeleite nach. In ziemlichem Abstand hinter dem Wagen ging ganz allein der Geheime Kommerzienrat Martin Eisenberger, sein Sohn. Ihm folgte Egon, der Enkelsohn, an der Seite des Ortsrabbiners. Dann kamen der Vorstand und die angesehensten Mitglieder der Gemeinde. Immer zu vieren, den Kondukt bildend. Es schlossen sich daran Abordnungen der Flora-Hütte, unter Vorantritt von Bannerträgern, mit Trauerflor umhüllten Fahnen und Emblemen. Die hohe Beamtenschaft von den umliegenden Jndustriewerken war fast vollzählig vertreten. Sie ehrten im Trauergefolge von Josef Eisenberger seinen Sohn. Manche dieser Herren hatten den alten Juden auch persönlich gekannt und geschätzt, wie der General-Direktor Ewald, der ihm eben- -falls die letzte Ehre erwies. Auch aus den benachbarten Gewerkschaften hatten sich zahlreiche Teilnehmer eingestellt, die in der ernsten Bergmannstracht einen stimmungsvollen Einschlag des Leichenzuges bildeten, dessen Beschluß die kleinen Leute der Khille machten. Nur aus Männern bestand dieses Trauergefolge, da nach alt-jüdischem Brauch 17*

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