Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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253 — „Ernstlich, es sind Persönlichkeiten in Stand, Besitz: und Erscheinung, die hinter niemanden zurückzutreten brauchen. Sehen Sie mal dort den schlanken, etwas lässig, aber durchaus distinguiert aussehenden Engländer, der mit dem Grafen Rödern plaudert. Graf und Gentlemen .... nichts, was sie in Haltung und Manieren äußerlich unterscheidet, nicht einmal die Lässigkeit, sagen wir Nonchalence, es ist ein Neffe Eisenbergers, der junge Fredy Elkisch, ein Sohn von der Schwester seiner Frau..." Die Festlichkeit verlief glänzend. Alles was an Luxus, Glanz, Opulenz des Mahles und anregendster Unterhaltung aufgeboten werden konnte, vereinigte Gäste und Gastgeber in freudigster und heiterster Stimmung und Geselligkeit. Nach dem Diner saßen die Gruppen noch in den verschiedenen Räumen plaudernd beisammen. Und hier war es, wo Egon, der Sohn des Hauses, die Honneurs machte. Er war überall und nirgends, mit der seinen Reserve, die Erziehung und Umgang ihm gaben, und die kluge Formel der Juden, die in der wirklich großen Welt leben: Sich nicht hervorzutun und aus den Grenzlinien dort geltender und akzeptierter Umgangssormen nicht herauszutreten. In später Nachtstunde aber hatte er Gelegenheit, im. Gespräch mit dem Generalkonsul Berthold von Rothschild über Arnulf von Rettlinghausen zu sprechen. Sie saßen bei einem Glase Sekt und der Zigarre in des Vaters Rauchzimmer. „Wie ist der junge Baron von Rettlinghausen? Er scheint ernst und zurückhaltend, hat nichts von der Bonhommie seines Vaters." „Er ist ein Adelsmensch,' wie dieser", antwortete Egon, und ein Helles Leuchten glomm in seinen Augen auf, „aber ganz ins Moderne übertragen. Ganz erfüllt von den sozialen Ideen und Ausgaben unserer Zeit. Ein Weltverbesserer im idealsten Sinne und ein Freund der Arbeiter, denen, er ein wahrhaft wohlwollender Direktor ist, mit rechtem Eingehen auf ihre Eigenart und vollem Verständnis ihrer Erfordernisse und Forderungen..