Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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— 245 (Lohn zu sein, gründlich auskosten. Diese prachtvolle Freiheit, für die ich gearbeitet habe! Eine Unabhängigkeit van aller Kleinlichkeit und Beschränkung. Aus immerhin -engen Verhältnissen heraus in die Weite, die er jetzt durchmessen soll. Ich habe Glück gehabt im Schaffen und Erwerben und er soll es haben ..." „Im Ausgeben und Verschwenden ..." unterbrach sie ihn fein lächelnd. „Das ist nicht Dein Ernst, liebe Frau und Du lächelst selbst darüber. Zu Verschwendern haben die -Eisenbergers keine Anlagen, auch Egon nicht. Er ist -eben der Sohn eines reichen Vaters, das weiß er, und das zeigt er und das darf er . . . unser einziges Kind, Jenni! Und weißt Du, was ich immer glaube, ein jüdisch Kind geht nicht zu Grunde! Und das ist er und Las bleibt er!" „Bist Du dessen so sicher?" fragte sie zaghaft. „Ganz sicher! Er kennt meine Ansichten über die Taufe und ich die seinen. Ich habe mich mit ihm darüber ausgesprochen damals als er erklärte, daß er Jurisprudenz und Staatswissenschaft studieren wolle. Ich fragte ihn, ob er ein Rechtsanwalt oder ein Amtsrichter werden will? Oder ob er bei Staatswissenschaft an eine diplomatische Karriere denke? Die sei doch den Juden verschlossen. ,Das weiß ich, Vater' antwortete er mir . . . ,Aber eine abgeschlossene Bildung, durch Examina festgestellt, tst auch in den Kreisen der bauw finance sehr wertvoll, und ich will Kaufmann werden, wie Du einer bist. Das •gießt den Juden immer noch die sicherste Position im modernen Leben! Der große Kaufmann gehört mit zu den Beherrschern der Erde! . . .‘ " „Das hat unser Egon gesagt? . ." rief sie gerührt aus. „Das hat er gesagt und noch mehr! Ich habe es mir Wort für Wort gemerkt. Ich wußte, daß der Tag kommen wird, wo ich es Dir sagen müßte". „Sprich weiter, sprich weiter . . sagte sie in sichtlicher Erregung. „Ja, und dann fügte er hinzu: ,wir sind darin ganz sicher einer Meinung, lieber Vater, des bin ich gewiß.