Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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244 Juden richten. Eins wurzelt in: andern, und die Pflege jeder Sonderart trägt dazu bei". Nachdenklich war sie seinen Worten gefolgt. Sie war glücklich, wenn er sich Zeit nahm zu intimer Aussprache über solche Fragen, mit denen sie sich im Geiste oft beschäftigte. Und die objektive Denkungsweise ihres Mannes, dessen Judentreue über jeden Zweifel erhaben, war, tat ihr wohl. Es war so hübsch, traulich, wie jetzt beisammenzusitzen und sich Rechenschaft zu geben über- Dinge, die abseits lagen von ihrem großen Leben und doch in einem gewissen Zusammenhang damit standen. Sie reichte ihm eine Tasse Tee hin und er betrachtetewohlgefällig die wundervolle Alt-Meißner-Schale. Dann bat er um die Erlaubnis eine Zigarre rauchen zu dürsew und sie erteilte sie freudig. „Danke", rief er und zündete die Zigarre an. „Die Zigarre giebt mir die Gewähr, daß Du mir noch etwas Zeit schenken kannst, denn ich habe noch, mancherlei auf dem Herzen . . " „Also, Egon..." lachte er. Sie errötete wie ein junges Mädchen. „Ist er Dir zu sehr eleganter Lebemann modernster Prägung? " „Ich weiß nicht ..." „Er ist hübsch, distinguiert, hat seine Studienzeit als- Mitglied eines vornehmen Korps absolviert, wozu seine- Freundschaft mit Keitlinghausen und seine damit zusammenhängenden Beziehungen etwas beigetragen haben. Dabei ist er Jude geblieben. Er kennt die Grenze von Papas Vorurteilslosigkeit. Ich ließ ihm den weitesten Spielraum für seine Neigungen, ich sah es sogar gern,, wenn er, der einzige Sohn und Erbe unseres Permögens, angemessen repräsentierte, es machte mir Vergnügen seine große, etwas extravagante Lebenshaltung zu beobachten und wenn Du auch manchmal mit Bedenken kamst, die in Deiner ängstlich behüteten, fromm-jüdischen Erziehung, wurzelten, so konnte ich Dir doch beruhigend sagen: Laß ihn nur, liebe Jenni, laß ihn sein Leben genießen, seines Daseins sich freuen und das Gefühl, eines Millionärs.