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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 243

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Die Eisenbergers
Date
1915-01-01
Page
Seite 243 (sequence 52)
Language
German
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243 un Peiskretscham, wie in Berlin, das kannst Du mir glauben, Martinleben, und wenn Du noch ein Wort weiter redst, sag'ich Dir Mechje!' So gutmütig und schlicht und dabei doch mit einem gewissen fröhlichen Selbstgefühl -sagte er das, und in seiner Sprechweise, daß ich fühlte, er hat Recht, Josef Eisenberger, mein Vater und Sarah fein Weib, meine Mutter, würden sich beengt und verschüchtert fühlen an einer Berliner Prunktafel und das hat er wirklich nicht nötig und ich bestehe natürlich auch nicht darauf". „Man darf ihnen nichts zumuten, was sie in Zwiespalt mit sich selbst brächte", stimmte sie zu, . . . „und -wenn ich mir denke, wie fatal und unbequem es ihnen wäre, wenn sie da inmitten all dieser tafelnden Gäste, koscher serviert bekämen, was ich natürlich angeordnet hätte, so kann ich dem Vater ganz gut nachfühlen, daß >er sich nicht wie ein Schaustück betrachten lassen will, von neugierigen Blicken, von befremdeten Tischnachbarn, von arroganten Dienern . . . Geschieht's auch nur heimlich, man empfindet es doch, stolz-bescheidene Menschen ganz llewiß . . .!" „Und solche Schaustücke aus alten Zeiten sind viel .zu kostbar und wertvoll, als daß man sie aller Augen preisgeben sollte. Der Vater hat recht. Es wäre vielleicht gut, wenn man allgemein so dächte. Mit dem was uns heilig ist und anderen absonderlich erscheint, nicht auf den offenen Markt ziehen. Wir modernen Juden verlangen zu viel, wenn wir von den noch im Traditionellen lebenden beanspruchendaß sie sich anpassen sollen und noch weniger kann man ihnen zumuten, daß sie inmitten der andern, die sich in äußern Formen assimiliert haben, ihre Daseinsbedingungen zur Schau tragen. Das sollten nur Persönlichkeiten, die' das Judentum offiziell vertreten, bei offiziellen Gelegenheiten tun. Im übrigen aber sich als Jude fühlen, in treuem -Glaubensbewußtsein, aber nach außen, in der Allgemeinheit, das Mimikri in der Erscheinungswelt anstreben. Das ist der sicherste Schutz gegen alle Angriffe, die sich gegen Aufdringlichkeit und das sich Bemerkbarmachen der 16*

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