Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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240 „Im großen Stil und doch nicht so, daß nicht jedermann sich bei uns Wohlsühlen kann . . ." „Was der Berliner so unter gemütlich versteht .. fügte Eisenberger hinzu, „Kunst und Schönheit, aber nicht zum Augenaufreißen, sondern um sich daran zu erfreuen,, um es zu genießen, nicht nur zu besitzen. Zu den Bildern,, die ich habe, sind noch neue Erwerbungen dazugekommen. Ein Teil davon ist für späterhin dem Kaiser Friedrich- Museum bestimmt. Auch habe ich hier und in London Auftrag erteilt für die Anschaffung von Gemälden und Kunstobjekten, die sich mit biblischen Stoffen befassen, besonders alttestamentarischen . . . Sie verstehen milch Herr Doktor . . . wir haben aber auch in Berlin einen Künstler, der darin ganz Hervorragendes leistet, nehmen Sie darauf Rücksicht! . . ." „Ach ja . . .", fiel Jenni ihm ins Wort, „da habe ich neulich ein prächtiges Deckengemälde gesehen in der Villa eines dem Vorstand der jüdischen Gemeinde angehörenden Herrn. Ist es Ihnen bekannt, Herr Baumeister?" „Gewiß, gnädige Frau! . . ." antwortete dieser, „Sie meinen das herrliche Mosesgemälde!" „Apropos, Moses! Ich habe auch eine große Bronzegruppe bestellt, eine Nachbildung der Michelangelo'scherr in Rom, und seinen „David" in Florenz, meine Lieblingsfigur . . . auch habe ich einem jungen Berliner Bildhauer den Auftrag für einige Bronzen gegeben, die ebenfalls sigurale Gestalten des Alten Testamentes darstellen sollen: die ährenlesende Ruth, Esther vor Ahasver und Barkochbah in heldischer Begeisterung. Außerdem Radierungen des gleichen Stoffgebietes bei einem unserer vortrefflichsten Radierer, dessen Ruf und Ruhm schon in zwei Welten anklingt. Es sind jüdische Künstler, die es verdienen, weiteren Kreisen bekannt zu werden und Förderung zu finden." „Das wäre sicherlich sehr wünschenswert . . .", erwiderte der Architekt, der selbst ein Jude war. „Also wir verstehen uns und sind einig . . ." sagte der Geheimrat, indem er Dr. Selten die Hand schüttelte.