Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Allerdings viel zu sehen bekamen die Leute nicht von den Vorgängen im Innern des Hauses. Wie hermetisch verschlossen lag es da, und nur aus dem Gärtchen und der dichten undurchdringlichen Bohnenlaube klang besonders zur Vesperzeit fröhliches Gelächter zu den Aufhorchenden hinüber. Auch seine nachbarlichen Visiten hatte Saul eingestellt, als Eisenberger, einmal, wahrscheinlich ganz absichtslos ins Haus gegangen war, als er ihn aus sich zukommen sah. Rappaport fühlte sich trotz aller seiner philosophischen Anlagen verletzt und sagte zu seinen Besuchern: „Stolz sennen se gewor'n, als ob der Kaiser von China war gekommen bei ihm logieren, oder ä französischer Epizier!" „Was is das?" „Das is er selbstens ... der Herr Generaldirektor, Ewald hat ihn ä so genennt: ä Gewürzkrämer!" Kopfschüttelnd hörten die ihn Umstehenden zu, und weil sie nicht verstanden, was der als „Choche'm" geltende Saul Flickschuster meinte, steigerte sich ihre Erbitterung gegen den „Neuerer", als der Eisenberger ihnen erschien. „Der Herr Generaldirektor, auch ä Mensch!" ries jetzt einer. „Nix reinsehn möcht' ich in ä so ä Haus, wo der Balbos vor ä Baron muß dawnen, oder Krischme leinen oder benschen oder efscher sich verstecken mit seine Gebräuche", schrie ein anderer. „Un neigierig bin ich, ob die Madame Eisenberger werd' Challe nehmen zu de Barches und werd' Licht benschen, und ob Reb Jossel werd' Kiddisch machen morgen Abend for seinen nobligen Orech?! „grinste der fanatischste von ihnen, Schlaume Wolfsohn. Alle lachten. Aber diese Frage blieb ungelöst. Denn wie es verabredet war, reisten Egon und Arnulf am Donnerstag nachmittag nach Berlin zurück. Direktor Ewald holte sie mit seinem Auto persönlich ab, um sie zur Bahn zu bringen. Als er vorfuhr, stand Wolssohn neben Saul Flickschuster, dem er gerade eine seiner auskundschaftlichen Visiten abstattete.