Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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227 In ungetrübtem Frohsinn verlief diese Kaffeegesellschaft in Josef Eisenbergers Bohnenlaube. Ausgeglichen schienen die Gegensätze zwischen alter und neuer Zeit, und als Arnulf endlich auf einer der Kaffeetassen die Zeichen der Königlichen Berliner Porzellan-Manufaktur entdeckte, sprang er auf und sagte mit Emphase, erst auf seine Gastfreunde deutend, dann auf Egon und sich: „Hie Peiskretscham, hie Berlin! Ich votiere für Peiskretscham!" Die Sonne neigte sich ihrem Untergang. Weit fort, um fernen Horizont, der das Flachland begrenzte, sank sie in die Erde, eine lila Dämmerung um sich verbreitend, die des Tages Helle nicht auslöschte, sondern noch lange festhielt. Die traumhafte Dämmerung der -Ebene! Die Freunde wollten noch einen Spaziergang durch die Felder machen, um die opulente Vesper zu verdauen, von der sie sich endlich erhoben hatten. Sie traten durch die Gartentür auf die Straße. Saul Flickschuster saß vor seiner Kellertür auf dem runden Schemel, tat als ob er arbeite, indem er Schnürsenkel Lurch einen Stiefel zog, und lugte unausgesetzt hinüber. Arm in Arm gingen die beiden fort. „Bringt's guten Appetit zum Abendbrot mit", rief Josef Eisenberger ihnen über den Gartenzaun nach, trat dann auch aus die Straße und setzte sich auf die Bank, auf der er gewohnt war, seinen Feierabend zu verbringen. „Unmöglich kannst Du zum Baron sagen, bringt's Hüten Appetit mit", kam Sarah ihm nach ... „Wie denn soll ich sagen?" „Bringen Sie gefälligst guten Appetit mit . . ." „Sarah, mein Weib, und wo bleibt Egon? Soll der kein guten Appetit mitbringen?" Sie sah ihn verblüfft -cm . . . „Ich Hab' doch zu alle zwei gesprochen/' Inzwischen war Saul herbeigeschlichen und hatte nun endlich erfahren, was sich bei Eisenbergers zugekragen und welche Gäste sie beherbergten. 15*