Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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226 __ Egon lachte belustigt. ' „Pardon, gnädige Frau, ich meinte, nach alten Küchenrezepten gebacken . . ." „Selbstgebackener Kuchen...", lachte Egon, „davon habe ich Dir doch schon immer erzählt, wenn ich die Vorzüge von Peiskretscham pries, und mein Groß- «Mütterchen ist Meisterin in diesen Künsten." Frau Sarah wurde ganz rot, teils weil Arnulf sie mit gnädige Frau angesprochen hatte, teils weil Egon ihre Kochkunst rühmte. „Lassen Sie es sich nur gut schmecken, Herr Baron", sagte sie schüchtern. „Das soll geschehen, verehrte Frau." Jetzt kam die Sahne daran. „So etwas Gutes, Fettes, Gelbes kriegt man überhaupt in Berlin nie aus den Tisch!" sagte Arnulf. „Nu ne, Bolle?!" rief Egon. Sie lachten beide übermütig. „Und' selbst auf unfern benachbarten Gütern bekommen wir so eine exquisite Sahne nicht. Wahrscheinlich wegen der Stallsütterung. Hier hält jeder seine Kuh selbst und hegt und pstegt sie, und die Hausfrau bereitet die Sahne und die Butter, sorgsam liebevoll . . . dann schmeckt's auch ganz anders, sowohl die Sahne, wie die ländliche Butter ... Ich glaube, es heißt Grasbutter. Besser wie die in den großen Betrieben zentrifugale, liebeleer hergestellt. Immer siegt die Natur über die Kultur." „Nur für Natur schwärmte er . . ." summte Egon nach der bekannten Operettenmelodie. „Schmieren Sie die frische Butter nur recht dick - auf die „Butterbarches", Herr Baron, das ist extra fein. Doppelt hält besser . . .", rief der Hausherr. Sie waren von der frohen Stimmung der jungen Leute hingerissen. „Sie sehen, ich lasse mich nicht nötigen!" sagte Arnulf. „Wohl bekomm es enk!" „Euch!" verbesserte Frau Sarah.