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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 225

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Die Eisenbergers
Date
1915-01-01
Page
Seite 225 (sequence 34)
Language
German
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225 I „Aber nix jüdisch-deutsche!" antwortete sie ebenso leise. Und jetzt kam ein merkwürdiger Moment. Vor einer inr Spiegelrahmen steckenden verblichenen Daguerreotypie machte der Baron plötzlich halt, betrachtete sie aufmerksam und fragte die Herantretenden, „wen stellt dieses Porträt vor?" Einen Augenblick des Zauderns! Dann aber mit,, der Würde und dem Selbstgefühl innerer Rechtlichkeit und instinktiven Anstandes antwortete Josef Eisenberger: „Das ist Chajim Kohn! Der selige Vater meiner Frau ..." Kaum eine Sekunde der Peinlichkeit schlich sich ein, nur ein Schein von Blässe zog über das immer noch, hübsche, gealterte Gesicht der einst so schönen Sarah, denn sofort fügte Egon hinzu: „Also mein Urgroßvater!" „Ein eigentümlich scharf geschnittenes Gesicht mit der starkgebogenen Nase, die wir Adlernase nennen, und die sich bei so vielen Angehörigen ältesten Uradels auch heute noch findet ..." Verdutzt blickten Josef und Sarah sich« an, aber Egon ließ ihnen keine Zeit zum Nachgrübeln und rief: „jetzt aber lassen wir alte und neue Zeit, grade und gebogene Nasen, alte Stile und alte Kultur und hinaus in, die Bohnenlaube, in die freie, ewigschöne Natur!" Er umfaßte seinen Freund und zog ihn durch den mit sprießendem Gras bedeckten, blitzsauberen Hof in den Garten. „Was se nur immer mit de Stile meinen? . . ." tuschelte mit leiser Stimme Josef seiner Frau zu, als sie langsam den beiden Freunden nachkamen. Und nun der Kaffeetisch! Das war ein Jubel! Sie konnten nicht genug dieser Kuchenherrlichkeit bekommen. Das schmeckte! Die „Butterbarches" fanden Arnulfs ganz besondere Zu-. stimmung. „Das ist ja ein wundervolles Gebäck", rief er ganz begeistert, „nicht bei Kranzler und nicht bei Schilling bekommt man was ähnlich Delikates! Das ist wohl auch ein altes Gebäck?" „Entschuldigen Sie, Herr Baron, das hat meine Frau heut' in der Früh selbst gebacken . . ." IS

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