Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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— 222 — den Kaffeetisch in der Bohnenlaube sogleich zu decken. Und wie herrlich präsentierte er sich. Aus dem Wäscheschrein der Großmutter wurde die Kaffeedecke hervorgeholt, die ihre Schwiegertochter ihr einmal mitgebracht hatte, rosa gemusterter Damast. Darauf standen die Kaffeetassen, altmodisches Porzellan, und ohne daß sie es wußten im besten Biedermeierstil, dazu die silberne Zuckerdose, die schweren silbernen Kaffeelöffel und die vergoldeten Kuchenkörbe. Es hatte im Laufe der Jahre und des wachsenden Wohlstandes doch ein schönes und schon durch die Zeit beinahe wertvoll gewordenes Hausgerät sich bei ihnen angesammelt. In den Körben war der delikate Kuchen aufgehäuft, den Egon sich yusgebeten hatte. Babe, Streuselkuchen und Butterbarches. Jetzt stellte sie noch die dicke, gelbe Sahne, in silbernem Gefäß auf den Tisch, den ihr Auge fast zärtlich überflog. Endlich ein Strauß ländlichen Gartengeblühs, und fertig war alles, nur der Gäste und der dampfenden Kaffeekanne harrend. Josef Eisenberger und seine Frau nahmen dann, feiertäglich gekleidet, auf der grünen Bank, rechts von der Tür des Hauses, Platz. In froher, erwartungsvoller, etwas beklommener Stimmung. Saul Flickschuster blinzelte durch das Fenster seines Schusterkellers zu ihnen hinüber. Wie sonst wohl, sich zu ihnen zu gesellen, traute er sich nicht. Eine ihm unbegreifliche Scheu hielt ihn zurück. Die beiden aber saßen ganz still nebeneinander. Keiner sprach ein Wort. Sie warteten . . . Da plötzlich erscholl ein Signal, der Ton einer Hupe wurde laut, und über das holprige Straßenpstaster jagte ein Auto heran, dem schon auf seinem Wege alle Leute mit Spannung nachgeblickt hatten. Es hielt vor dem Hause Josef Eisenbergers. Zwei elegante junge Leute sprangen heraus und begrüßten lebhaft das alte Paar ... Der junge Baron hatte mit der echten Aristokraten eigentümlichen Vornehmheit und den ihm angeborenen und anerzogenen gesellschaftlichen Formen sich sofört in