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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 221

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Die Eisenbergers
Date
1915-01-01
Page
Seite 221 (sequence 30)
Language
German
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221 die Haustür zugemacht hatte, in den Garten trat, um die Blumen mit besonderer Sorgfalt zu begießen. „Schön sennen jetzt Eure Blumen", sagte er im Abgehen. „Ja, sehr schön sind sie in diesem Sommer aufgeblüht." In tiefsten Sinnen versenkt, schritt Saul seiner Behausung zu, nach einigen Schritten blieb er plötzlich stehen, wendete sich zurück und rief langsam, jedes Wort betonend: „Also nix Neues gibt's bei Euch? Adieu, Reb Eisenberger!" „Jeworechechu, Saul Rappaport", gab dieser zurück. Inzwischen war drinn alles weiter gediehen, und bis zur Mittagszeit war alles zum Empfang bereit. In tadelloser Ordnung ' und freundlich anmutender Behaglichkeit. Egon wurde wie immer in dem Zimmer, das sein Vater früher bewohnt hatte, untergebracht. Das war guter, alter Brauch im Elternhaus, daß dieses Zimmer nur für teuren Familienbesuch reserviert blieb. Und für den fremden Gast, den jungen Baron von Rettlinghausen, hatte man die gute Stube hergerichtet, die eigentlich nur zum Staat vorhanden war, und aus dem ehemaligen Ladenraum umgebaut wurde nach Auslösung des Geschäftes. Auf den besonderen Wunsch des Kommerzienrates. Auch hübsch und komfortabel möbliert wurde sie damals. Benutzt nur selten. Die alten Leute fühlten sich am wohlsten in den von früher her von ihnen bewohnten Räumen. Da waren sie heimisch und vertraut mit den Gegenständen, die mit ihnen dort alt geworden. Nun aber war die Zeit der „guten Stube" gekommen. Frau Sarah ließ ein bequemes Bett hineinstellen, einen Waschtisch mit Marmorplatte und feinem Porzellan- Waschservice, und jetzt fehlte nichts zum Empfang des hohen Besuches. Nach dem Mittagsmahl versuchten beide das übliche Schläfchen zu halten. Aber es wurde nicht viel daraus. Die innere Unruhe der Erwartung scheuchte sie auf. Im Laufe des Nachmittags konnten sie eigentlich zu jeder Stunde eintreffen. Es war daher doch wohl sicherer,.

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