Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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219 Am nächsten Tage herrschte eine gewisse Aufregung', in dem sonst so ruhigen, stillen Hause von Josef Eisenberger. Frau Sarah war mit Vorbereitungen zum. Empfang der Gäste eifrig am Werk. Schon am frühen Vormittag hatte sie und ihre Magd Kuchen gebacken wie zu den hohen Feiertagen. Dann war sie selbst zum Schlächter gegangen, hatte dort eine gepökelte Rinderzunge bestellt, eine feine Kalbsbrust von der Spitz', Suppenfleisch und krause Knochen. Auch für die nächsten Tage, hatte sie noch allerlei Aufträge erteilt. Bei der Fischfrau hatte sie einen großen Karpfen erstanden und zum „Schochet" wurde aus der häuslichen Zucht des Federviehs Hühner und Enten' zum Schächten geschickt. Die fettesten und besten hatte sie unter Assistenz ihres Mannes ausgesucht. Im Städtchen konnte so was nicht unbeachtet bleiben. „Es geht eppes vor bei Eisenbergers'', hatte der Fleischhauer den andern Hausfrauen beim Einkauf anvertraut. . . . „Selbstens, ganz persönlich is se hiergewesen, sonstens kommt nur die Mod' mit den Zettel" . . . sagte der Fleischer. „Und ä Fisch hat se gekauft, so groß wie zu einer „Szude" oder „Chassene", berichtete eine der Käuferinnen. „Und Kuchen haben sie gebacken, wie zu „Schewuos" oder „Szukkes . . . was kann das sein für ä Jontef . mitten in der Woch? . . ." „Es geht was vor bei Eisenbergers!" Die Aufmerksamkeit der Khille war wach geworden. Alles lauschte und horchte, um etwas zu gewahren und Saul Flickschuster ging von einem zum andern, und im eifrigen Gespräch wurde erwogen und hin- und herberaten, was sich bei Josef Eisenberger ereignet habe. Auf allgemeines Verlangen mußte Saul Flickschuster sich endlich zu seinem Nachbar begeben und so tun, als wäre nichts vorgefallen und als wüßte er und niemand sonst, was von bevorstehenden Ereignissen imHauseEisenbergers. „Gut Morgen, Reb Jossef", begrüßte er mit gut gespielter Harmlosigkeit den Hausherrn, der am Garten--